Opa reißt aus und schlägt der Sippe ein Schnäppchen

„Honig im Kopf“ ist eine Alzheimer-Tragikomödie mit viel Humor

Für Til Schweiger dürfte an Weihnachten wieder das Geldverdienen beginnen. Der Filmemacher, der mit Erfolgen wie „Keinohrhasen“ oder „Kokowääh“ und deren jeweiligen Fortsetzungen Millionen Zuschauer in die Kinos zog, bringt rechtzeitig zum Fest wieder großes Gefühlskino auf die Leinwand. Auch sein neues Werk „Honig im Kopf“ ist ein typischer Schweiger – und doch ein bisschen anders. Nicht nur, weil der 51 Jahre alte Schauspieler diesmal nicht die Hauptrolle übernimmt. Der in Hamburg lebende Spezialist für Liebeskomödien geht ein ernstes Thema an – mit viel Humor.

Es ist eine tragikomische Geschichte, die Schweiger diesmal erzählt. Es wird gelacht. Es wird geweint. Es geht um Alzheimer. Was macht die Krankheit mit dem Betroffenen – was mit den Angehörigen? „Mein Opa ist auch an Demenz gestorben. In seinen letzten Jahren habe ich ihn sechs Wochen lang während der Sommerferien gepflegt – und wahnsinnig viel gelacht mit ihm“, erzählt der Filmemacher, der auch bei seiner neuen Produktion unter anderem für Regie, Drehbuch (gemeinsam mit Hilly Martinek) und Schnitt verantwortlich ist. „Auch Hillys Vater starb daran, und auch sie hat viele lustige Sachen mit ihm erlebt.“

Im Film erkrankt Amandus – und als dieser ein großartiger Dieter Hallervorden, 79 – daran. Als sein Sohn Niko (Schweiger), der ohnehin schon Eheprobleme mit seiner Frau Sarah (Jeanette Hain) hat, ihn in ein Heim bringen will, entführt die elfjährige Enkelin Tilda, gespielt von Schweigers jüngster Tochter Emma, den Großvater nach Venedig. „Kinder gehen viel besser mit Alzheimerpatienten um“, sagt Schweiger. „Sie sind viel natürlicher und ungehemmter, und sie holen sie in ihrer Welt ab.“ Wie es auch Tilda bei Amandus gelingt, der immer mehr vergisst und damit Trauriges, aber auch viel Komisches auslöst. Tatsächlich schafft Schweiger witzige und berührende Momente gleichermaßen. Gerät ein Witz doch mal zu flach, derbe oder daneben, wechselt seine temporeiche Geschichte in schnellen Schnitten oft rechtzeitig zu besonders bewegenden Augenblicken. Hallervorden und Schweigers Jüngste sind ein anrührendes Paar, dem es mühelos gelingt, die Zuschauer auf seine Reise mitzunehmen.

„Wir wollen mit unserer Geschichte viele Menschen erreichen,“ sagt Schweiger, dafür müsse der Film eine Balance hinbekommen: „Er darf nicht nur tragisch sein, sondern muss auch Mut machen und Hoffnung haben – auch wenn diese Krankheit hoffnungslos und unendlich schlimm ist.“ Alle Situationen beruhten zudem auf tatsächlichen Begebenheiten – Geschichten, die er und seine Crew unter anderem in Pflegeheimen gesammelt hätten.

+++-- „Honig im Kopf“ D 2014, 139 Min., ab 6 J., R: Til Schweiger, D: Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger, im Blankeneser, Hansa, Passage, in den Cinemaxx- und UCI-Kinos; www.film.info/honigimkopf/