Politdrama

Wer legte die Bombe beim Oktoberfest im Jahr 1980?

| Lesedauer: 3 Minuten
Volker Behrens

Das Politdrama „Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ schildert die Ereignisse um das Oktoberfest-Attentat im Jahr 1980. Recherche-Ergebnisse sprechen dagegen, dass es ein Einzeltäter war.

Die Terroranschläge der Rote Armee Fraktion haben sich fest in das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik eingebrannt. Anders sieht es da mit einem Attentat aus, das man dem rechten Rand des politischen Spektrums zurechnen muss. Am 26. September 1980 explodierte auf dem Münchner Oktoberfest eine Rohrbombe. Sie tötete 13 Menschen, mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei konnte schnell ein Ergebnis ihrer Ermittlungen präsentieren. Gundolf Köhler soll das Attentat als Einzeltäter verübt haben, bei dem er selbst ums Leben kam. Zweifel an dieser Theorie ignorierten die Staatsorgane. Der Film „Der blinde Fleck“ greift die Ereignisse kritisch auf.

Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) ist ein Reporter des Bayerischen Rundfunks, der sich um den Anschlag kümmern soll. Er beginnt zu recherchieren und kommt bald schon zu Ergebnissen, die nicht zu der offiziellen Version passen. Gundolf Köhler war Mitglied der berüchtigten rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, die ihr Unwesen in Bayern trieb und ebenfalls 1980 verboten wurde. Die Ermittler stellen den gut vernetzten Mann jedoch als „sexuell frustrierten Einzeltäter“ dar. Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß, zu jener Zeit gerade gegen Helmut Schmidt im Bundestagswahlkampf unterwegs, will den Anschlag für sich nutzen und behauptet, er sei die Tat von Linksradikalen. Beweise für diese Theorie finden die Ermittler nicht.

Protagonist Chaussy deckt die Ungereimtheiten auf und beginnt, sich Stück für Stück ein eigenes Bild zu machen. Unterstützung bekommt er dabei von Rechtsanwalt Dietrich (Jörg Hartmann), überraschend aber auch von Verfassungsschutzmitarbeiter Meier (August Zirner), der ihm bei subversiven Treffen geheime Unterlagen übergibt. Allmählich formt sich ein klareres Bild des Verbrechens. Chaussys Gegenspieler ist der machtbewusste Verfassungsdienstchef Langemann (Heiner Lauterbach), der alle Zweifel und Indizien, die gegen die offizielle Erklärungsvariante sprechen, an sich abprallen lässt. Chaussy wird von seinen Ermittlungen später so besessen, dass seine Frau Lise (Nicolette Krebitz) ihm ein Ultimatum stellt.

Regisseur Daniel Harrich schrieb das Drehbuch mit dem „echten“ Ulrich Chaussy. Beide verdichteten die Ereignisse zum Polit-Thriller, der vielleicht auch einen Justiz-Skandal zeigt. „Der blinde Fleck“ ist eine Geschichtsstunde, verpackt als spannende Unterhaltung – eine ziemlich seltene Kombination.

Der Film endet mit einem Brückenschlag in die Gegenwart und einer bitteren Pointe. Chaussy wollte, dass die beim Attentat gefundene abgerissene Hand, die zu keinem der Opfer gehörte, kriminaltechnisch neu untersucht wird. Aber sie war aus der Asservatenkammer verschwunden. Mittlerweile hat die Realität auch diesen Schluss „überholt“, denn vor wenigen Tagen nahm sich der Rechtsausschuss des bayerischen Landtags noch einmal des Themas an. Eine neue Zeugin ist aufgetaucht, deren Aussage nahelegt, dass Köhler doch Mitwisser hatte. Es gibt zu dem Fall noch nicht gesichtete Akten, der bayerische Verfassungsschutz verfügt über Material, das immer noch als geheim eingestuft wird. Ob das Verfahren wieder aufgenommen wird, soll nun der Generalbundesanwalt entscheiden.

„Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ Fr 10.10., 20.15 Uhr, Arte