Pia knüpft Haarteile und zaubert mit Farbe

Maskenbildner lernen die Kunst der Veränderung

Wer sich in ihre Hände begibt, geht als Jugendlicher in die Garderobe und kommt als Greis wieder heraus. Oder als strahlende Schönheit. Pia Karlotta Paprzik ist Maskenbildnerin im dritten Ausbildungsjahr beim Altonaer Theater, dem auch die Hamburger Kammerspiele und das Harburger Theater angeschlossen sind. „Wir können einen Menschen mit Make-up, Masken und Haarteilen völlig verändern“, sagt die 20-Jährige. „Das ist das Interessante an unserem Beruf.“

Durch ihre Tante, die beim Film in der Requisite arbeitet, kam Pia in Kontakt mit künstlerischen Berufen hinter den Kulissen: Maske, Kostüm, Bühnenbild, Beleuchtung und Technik. Dreiwöchige Praktika, erst bei der Hamburger Staatsoper und dann im Altonaer Theater, brachten die Entscheidung für den Beruf Maskenbildnerin. Nun lernt Pia mit Pinsel und Farbe zu zaubern, Haar- und Bartteile zu knüpfen und effektvolle Masken zu bauen. „Man benötigt viel Geduld und viel Übung, denn in der Praxis muss jeder Griff sitzen, insbesondere wenn es hinter den Kulissen stressig wird“, sagt Pia.

„Dafür ist es ein tolles Gefühl, wenn die eigene Arbeit zum Einsatz kommt“, wendet Jarrid Vanden Eynden ein, der im dritten Ausbildungsjahr an der Hamburger Staatsoper/Hamburg Ballett lernt. Als er seinen ersten Schnurrbart geknüpft hatte, warf der Chefmaskenbildner einen Blick darauf „und eine Stunde später kam der Bart auf der Bühne zum Einsatz.“

Der Umgang mit Haar geht Jarrid leicht von der Hand, denn er bringt eine abgeschlossene Lehre zum Friseur mit. Erste Erfahrungen als Maskenbildner sammelte der 25-Jährige beim Musical „Elisabeth“. Um mit dem Stück auf Tournee gehen zu können, nahm er unbezahlten Urlaub. „Da hab ich gemerkt: Das ist mein Weg.“ Für die Lehre ist der gebürtige Belgier extra nach Hamburg gekommen. „Meinetwegen könnte die Ausbildung vier statt drei Jahre dauern. Es gibt so viel zu lernen“, sagt Jarrid.

Allerdings seien die Arbeitszeiten gewöhnungsbedürftig. Der Abenddienst beginnt etwa zwei bis drei Stunden vor Vorstellungsbeginn, während der Aufführung haben Maskenbildner ein Auge auf die Bühne und stehen bereit für Szenen- und Maskenwechsel. Beim Tagesdienst wird vor allem in der Werkstatt gearbeitet, denn: „In eine gutsitzende Perücke oder eine fantasievolle Maske fließt schon vorher viel handwerkliche Arbeit und jede Menge Gehirnschmalz“, sagt Jarrid.

Das geht nicht ohne den entsprechenden theoretischen Hintergrund. Dafür ist unter anderem Anke Ziegler, Abteilungsleiterin Maskenbild der Beruflichen Schule Burgstraße, zuständig. Im Fach Kunst- und Kulturgeschichte werden die verschiedenen Epochen durchgenommen – von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. „Es geht darum, den jeweiligen Zeitgeist zu erfassen und zu durchdringen“, sagt die Lehrerin. „Ein besonderes Highlight ist immer das ´Einschminken. „Also die möglichst unsichtbare Einarbeitung von Elfenohren oder Cyranos großer Nase.“