Ein Imbiss als Ersatz für Heimat

Vier Männer suchen Halt in der Einwandererkomödie „Willkommen bei Habib“

Was ist Heimat? Um das beantworten zu können, muss man sie manchmal erst verlieren. Das zumindest legt die Tragikomödie „Willkommen bei Habib“ nahe, in der mehrere Männer etwas verloren haben, das Zuhause oder Identität für sie war. Ihre Wege kreuzen sich an einem Ort, der ebenfalls vom Kommen und Gehen bestimmt ist: dem Imbiss des türkischen Einwanderers Habib (Vedat Erincin) am Stuttgarter Wilhelmsplatz.

Vielen Zuschauern ist Vedat Erincin, der einen angepassten Imbissbesitzer spielt, bekannt: Schon in deutsch-türkischen Komödien wie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ und „Evet, ich will“ war er in den Hauptrollen zu sehen. Anders als die bisherigen Figuren will die des Habib ihre türkische Herkunft jedoch hinter sich lassen. Sein Sohn Jan (Burak Yigit) – der sich gegen zu viel Deutschsein wehrt und lieber Neco genannt werden will – beschimpft ihn deswegen als „Assimilationskanake“. Habib sei „der einzige Türke, der Sauerkraut in seinen Döner stopfen würde“, kritisiert Neco. Mit dem verzweifelten Versuch, seine Herkunft zu vertuschen, ist Habib im Film nur eine von vielen Figuren, die eine besondere Schwachstelle haben. Und alle suchen eine Antwort auf die Frage: „Wozu lebe ich, wie und warum hier?“

„Mein Thema für diesen Film ist „der blinde Fleck“, sagt Regisseur Michael Baumann, „also dunkle Stellen in unseren Biografien: verdrängte Sehnsüchte, faule Kompromisse, ungelöste Probleme oder einfach der Verrat an sich selbst.“ Ihm gelingt ein Großstadtfilm, dessen tragische Elemente immer auch von einer gewissen Komik gekennzeichnet sind – glaubwürdig und berührend.

++++- „Willkommen bei Habib“ D 2013, 115 Min., ab 6 J., R: Michael Baumann, D: Vedat Erincin, Burak Yigit, Thorsten Merten, täglich UCI Wandsbek; www.farbfilm-verleih.de/filme/habib.html