„Yves war ein Genie, ein Visionär“

Hauptdarsteller Pierre Niney über seine erfolgreiche Verwandlung in die Mode-Ikone

Pierre Niney ist in seiner Rolle als Yves Saint Laurent (1936–2008) in Frankreich viel bejubelt worden. Auch auf der Berlinale wurde seine Leistung in dem Biopic über den französischen Modeschöpfer gefeiert. Das wohl schönste Lob aber machte Pierre Bergé, der langjährige Liebhaber des Modezars, dem 25 Jahre alten Schauspieler: Niney sei die Inkarnation von Yves, sagte der 83 Jahre alte Geschäftsmann.

Mit der Rolle in „Yves Saint Laurent“ sind Sie in die Haut einer Ikone geschlüpft. Das ist eine große Herausforderung für einen jungen Schauspieler. Hatten Sie keine Bedenken?

Pierre Niney: Nein. Im Gegenteil. Ich habe nicht eine Sekunde lang gezögert. Einem jungen Schauspieler eine solche Rolle anzubieten, ist eine einmalige Chance.

War Ihnen Yves Saint Laurent ein Begriff?

Niney: Ich wusste wenig über ihn. Ich kannte seine Silhouette, seine charakteristische Brille. Das war alles. Ich war ziemlich unbedarft. Im Nachhinein denke ich, war das eher positiv. Ich hatte keine vorgefertigte Meinung.

Wie sehen Sie den Meister der Haute Couture jetzt?

Niney: Yves hatte viele Facetten. Er hatte eine komplexe Persönlichkeit. Er war ein Genie, ein Visionär. Er hat der Ästhetik seiner Epoche einen Sinn gegeben und war ihr teilweise voraus. Er war modern und unglücklich.

Im Herbst kommt ein weiterer Film über Yves Saint Laurent ins Kino, der nicht die Unterstützung von Pierre Bergé, dem langjährigen Lebensgefährten des Modezars, fand. Wie sehr hatte Bergé Einfluss auf Ihren Film von Regisseur Jalil Lespert?

Niney: Bergé war bei den Dreharbeiten nur ein einziges Mal dabei. Er hat sich weder in das Drehbuch noch in unsere Arbeit eingemischt. Der Film ist das Projekt von Lespert. Es war seine Initiative. Bergé hingegen stellte uns die Drehorte, Kostüme und Dokumente zur Verfügung.

Yves Saint Laurent war talentiert, alkohol- und drogenabhängig sowie manisch-depressiv. Wie haben Sie sich für diese Rolle vorbereitet?

Niney: Ich habe rund fünf Monate an der Figur gearbeitet. Ich habe mit Zeitzeugen geredet, Biografien und die Korrespondenz zwischen Bergé und Yves gelesen und wurde im Zeichnen und Stylismus gecoacht. Besonders schwer war das Imitieren seiner hohen Stimme.