Verschmitzte Katze

Judith Holofernes tanzt Lambada zu Can und Flaming Lips am 19. April im Docks

Berlin, Kreuzberg, Anfang der 60er-Jahre. Johann schleppt nun schön den fünften Sack Kohlen durch das knarzende Altbau-Treppenhaus, da bleibt er an einem Fahrradpedal hängen, macht sich lang, der Sack reißt auf, und die schwarze Pracht kullert die fünf Etagen hinab. „Djibsonich! Dkannawonniwasein!“, flucht Johann, aber irgendwie muss er auch lachen.

So klingt „Ein leichtes Schwert“, das erste Soloalbum von Wir-Sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes. Es scheppert und klappert an allen Ecken und Enden und klingt, als wäre es im Kreuzberger Studio ihres Ehemannes Pola Roy, der auch am Schlagzeug sitzt, an einem Tag eingespielt worden. Was nicht passt, wird auf „Ein leichtes Schwert“ passend gemacht, wie Holofernes in „M.I.L.F.“ (sprich: „Mixtape I would like to fuck) singt: „Und du spielst Flaming Lips und Can, ich tanz dazu Lambada. Ich nenne dich den King of Prog, und du mich Lady Gaga.“ Oder Dada oder was auch immer in diesem Kopf herumspukt, der so quer ist wie einige ihrer Bühnenoutfits bei Wir Sind Helden. Rock über Jeans und dazu Gummistiefel. Hmm. Stand ihr.

Seit 2011 harrt das Wir-Sind-Helden-„Denkmal“ der in jenem Song erwähnten Parolenschmierer. Die Bandpause fiel Judith Holofernes nicht leicht. „Das hat sich so angefühlt, als wenn man aufs Meer hinausschwimmt, und dann kommt man so weit, dass es unten an den Beinen kalt wird. Und in dem Moment habe ich es zum Glück geschafft, nicht panisch ans Ufer zurückzuschwimmen“, wie sie dem Abendblatt erzählte. „Und ich habe ganz viel Musik gehört und gelesen und Musik-Dokus geguckt, und dann kamen diese Lieder zu mir, ohne dass ich mir das groß ausgesucht hätte.“

Diese Lieder sind mal Proto-Punk wie „Danke, ich hab schon“, mal Hillbilly-Country wie „Nichtsnutz“, „Brennende Brücken“ und „Pechmarie“ und manchmal einfach nur Irrsinn wie „Platz da“. Mit Mundwinkeln, die auch bei Alltagskalamitäten, die Holofernes in ihrem Blog erzählt, stets nach oben zeigen. Verschmitzte Katze. „Du kriegst nicht immer, was du willst“, singt sie bei Konzerten zur Melodie von „You Can´t Always Get What You Want“ von den Rolling Stones. Aber sie bekommt, was sie will. Und kriegt es hin.

Judith Holofernes, Mama Rosin Sa 19.4., 19.00, Docks (U St. Pauli), Spielbudenplatz 19, Karten zu 27,80 im Vorverkauf; www.judithholofernes.com