Hamburger Krimifestival

Kabarettist Jörg Maurer: „Realismus ist sehr anstrengend“

Sein urkomischer Alpenkrimi „Unterholz“ stand lange Zeit auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten. Am heutigen Sonnabend kommt der Münchner Musikkabarettist Jörg Maurer zum Finale des Krimifestivals nach Kampnagel.

Hamburg Mit einem kabarettistischen Krimisolo beschließt Jörg Maurer, 60, an diesem Sonnabend das Krimifestival auf Kampnagel. Sein Alpenkrimi „Unterholz“ stand monatelang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Hamburger Abendblatt: Vom Kabarett zum Kriminalroman: Warum sind Sie diesen Weg gegangen?

Jörg Maurer: Man muss dazu wissen, dass ich mich alphabetisch durchs Leben arbeite. 1994 war der Buchstabe K dran, damals habe ich mit dem Kabarett angefangen, dann folgten Kerkerstrafen, Killerspiele und Kokain, bis ich schließlich einen Kriminalroman geschrieben habe. Bald ist L wie Ladendiebstahl an der Reihe, reizen würde mich auch Lord, Laub oder Leiselnahme. Aber das war ja nicht die Frage.

Stimmt, war nicht die Frage. Haben Sie bereits früher Kriminalromane gelesen?

Maurer: Natürlich! Kriminalromane waren und sind mein Lieblingsgenre. Fast auswendig kann ich die Romane von Raymond Chandler und Patricia Highsmith, dahinter folgen gleich Maj Sjöwall / Per Wahlöö und Edgar Allan Poe. Schon im Alten Testament sind viele blutrünstige Geschichten rund um das Thema Mord und Totschlag zu finden. So etwas hat mich im Religionsunterricht immer am meisten interessiert.

Stört Sie gar nicht dieses plakative Marketing-Schlagwort „Alpenkrimi“?

Maurer: Nö.

Haben Sie Ihre skurrilen Figuren eigentlich der Wirklichkeit abgeschaut?

Maurer: Nein, es gibt keine realen Entsprechungen. Das ist ja gerade das Fruchtige am Romane schreiben, dass man Figuren erfinden und generieren kann, wie es einem passt. Aus der Wirklichkeit nehme ich lediglich Bruchstücke und Äußerlichkeiten wie die abstehenden Ohren von Onkel Herbert, die sonore Stimme meines ehemaligen Deutschlehrers oder das endlose Kaffeetassenumrühren meiner Frau. Ich finde Realismus sehr anstrengend.

Und wie ist dann die Figur Ihres Kommissars Jennerwein entstanden?

Maurer: Ich habe mit den Ohren angefangen. Natürlich mit denen von Onkel Herbert. Im ersten Romanentwurf sind nur die Ohren herumspaziert. Das hat meinen künstlerischen Ansprüchen auf Dauer nicht genügt. Der Verlag war auch skeptisch, ob zwei ermittelnde Ohren der Bringer sind. Also habe ich Stück für Stück den ganzen Jennerwein zusammengebaut. Schließlich ist eine lebendige Figur entstanden. Warum nicht? Da gab’s ja schon mal einen, der hat mit einer Rippe angefangen …

Was ist für Sie wichtiger: der Plot oder das Atmosphärische der Story?

Maurer: Die beiden Sachen sind für mich nicht zu trennen. In den vernebelten Hafenstraßen von Hamburg entsteht ein anderer Plot als auf den föhnigen Wiesen des Voralpenlandes. Man muss beides gleichzeitig und mit gleicher Energie entwickeln. Wie sagt schon Haiku-Dichter Matsuo Bashō:„Atmo und Plot,einmal Hüh! und einmal Hott!:Nicht gut“

Jörg Maurer: kabarettistisches Krimisolo, Sa 2.11., 20 Uhr, Kampnagel, Eintritt 14 Euro, Karten an der Abendkasse, bei Heymann und den HA-Ticketshops