Geballte Pianisten-Power

Die Hamburg Boogie Woogie Connection feiert 25-jähriges Bestehen an gleich zwei Abenden in der Altonaer Fabrik

Fabrik. Am 8.8.88 ist es zum ersten Mal passiert. Da haben sich in der Fabrik die Freunde des Boogie-Woogie- und Blues-Pianos zu einer wilden, zwanglosen Session zusammengefunden. Warum gerade an dem Schnapszahl-Datum? Axel Zwingenberger erinnert sich: „Wir hatten da schon viele Jahre rumspintisiert über so ein Gipfeltreffen. An der Acht sind wir hängen geblieben, weil sie eine Lieblingszahl von Vince Weber ist, an der 88, weil ein Klavier nun mal 88 Tasten hat. Es waren Gäste dabei wie Champion Jack Dupree und andere aus England und Frankreich, und schon damals konnte jeder nur drei Titel spielen, weil wir so viele waren.“

Das war die Geburtsstunde der „Hamburg Boogie Woogie Connection“, es wurde eine fetzige Klavier-Nacht, die Fabrik platzte aus allen Nähten, und man verabredete sich, das künftig alle acht Jahre zu wiederholen. 1996 organisierte Poldi Eidenhammer, musikaffiner Wirt früher des Sperl, dann des Zeise-Propellers, die zweite Boogie-Nacht, die schon auf das Prädikat „lange“ verzichten konnte, denn das ist sie sowieso; sie dauert stets bis weit nach Mitternacht, gern auch mit spontanen Sessions und mehreren Pianisten an einer Tastatur. Die zweite Boogie-Session bekam dank einer Aufzeichnung des NDR zusätzlichen Schub. Seither gibt es sie jährlich – immer natürlich am 8.8.

Und so steht jetzt, ohne dass es 25 Boogie-Nächte gegeben hätte, schon der 25. Geburtstag vor der Tür. Und das gleich doppelt: am 8. und am 9. August. Denn zum Jubiläum haben sich bisher bereits 22 Pianisten angesagt. Unter ihnen sind natürlich alle vier Hamburger Gründer-Recken, neben Zwingenberger und Weber auch Gottfried Böttger und Jo Bohnsack. Aus Detroit reist Mark „Mr. B“ Brown an, einer der prominenten amerikanischen Bluespianisten, aus England Ben Waters, Teil der Jazzformation A, B, C & D of Boogie Woogie, in der neben Zwingenberger auch Rolling-Stones-Drummer Charlie Watts begeistert mitspielt. Aus Bayern sind Martin Schmitt und Christian Willisohn dabei, aus Ungarn kommt Daniel Balasz, aus Wien Martin Pyrker, aus Dänemark Lasse Jensen, aus den Niederlanden Eeco Rijke Rapp, aus Polen Maciej Markiewicz und aus der Schweiz Silvan Zingg. Dazu werden noch etliche Überraschungsgäste erwartet. Volles Programm, Boogie satt in vielen Spielarten.

Auf der Bühne stehen dann zwei Konzertflügel und ein Schlagzeug, unter anderem für Bruder Torsten Zwingenberger. Die kenntnisreichen und launigen Moderationen übernimmt wie immer Axel Zwingenberger, der in der weltweiten Boogie-Szene seit vielen Jahren so gut vernetzt ist wie kein Zweiter. Beide Abende zusammen sind eine ziemlich kompakte internationale Leistungsschau dessen, was Boogie-Woogie inzwischen alles sein kann.

Viele der Gäste haben, inspiriert von der unermüdlichen Hamburger Boogie-Power, inzwischen längst ihre eigenen Boogie-Festivals gegründet. Wie Hamburg zum Boogie-Zentrum wurde? Axel Zwingenberger zuckt die Achseln. „Weiß ich auch nicht. Wir waren halt ein paar Leute hier, aber Boogie – von dem ich immer sage: die heißeste Musik, die je für Klavier erfunden wurde – ist ja so independent, wie man sich’s nur vorstellen kann. Solche Konzerte werden von den Pianeuren selbst organisiert, in der Pop-Industrie haben Boogie und Blues nur einen geringen Stellenwert, denn sie passen nicht in die gängigen Klischees. Sie begeistern halt nur die Leute.“

Zwingenberger hat auf der Facebook-Seite der „Connection“ täglich eine Musiker-Biografie veröffentlicht, um Appetit zu machen auf den Marathon in der Fabrik. Viel zusätzliche Arbeit, denn: „Der plötzliche Tod von Poldi Eidenhammer Ende vergangenen Jahres hat ja eine große Lücke in unser Projekt gerissen. Die versuchen nun meine Frau Eva und ich aufzufüllen.“

Das wird mit den beiden Konzerten der internationalen Boogie-Meister bestens gelingen. Und vielleicht reicht die volle Packung ja gleich auch bis zum jährlichen großen Zwingenberger-Solo-Konzert zwischen den Jahren in der Laeiszhalle.

The Hamburg Boogie Woogie Connection Do 8. und Fr 9. 8., jew. 21.00, Fabrik (S Altona), Barnerstraße 36, Tickets 25,-, Vvk: 22,50. Nur bei der Fabrik erhältlich: Doppelticket für beide Tage: 38.-