Ausstellung in Hamburg

Amanda Lear – sie ist mehr als nur die Dali-Muse

Foto: Getty Images

Lange Zeit war Amanda Lear die Muse von Salvador Dali - doch die Sängerin ist mehr als das, denn sie malt auch selbst. Ab Mittwochabend präsentiert die Galerie Claudius 37 Werke der bekannten Künstlerin.

Hamburg. Sie war die Muse des Malers Dalí, Disco-Queen, Ikone der Homosexuellen – Amanda Lear hat so viele Facetten wie kaum ein anderer Star. Mitte der 1960er-Jahre wurde die 1,74 Meter große Blondine von einer Model-Agentur entdeckt, lief für Designer wie Paco Rabanne, zierte die Titelseiten großer Modemagazine. Doch was viele nicht wissen: Lear ist auch Malerin, 37 ihrer Werke werden jetzt in Hamburg gezeigt.

Dem breiten Publikum ist Lear, zu deren Liebhabern Rockstars wie David Bowie und Brian Jones gehörten, seit den 1970er-Jahren "nur" als Sängerin bekannt. Mit Hits wie "Queen of Chinatown" oder der erfolgreichen Popnummer "Follow Me" war sie weltweit in den Charts. Doch bereits seit ihrer frühen Jugend greift Lear, die angeblich am 18. November 1939 in Hongkong geboren wurde, zum Pinsel. Sie studierte an der Academie des Beaux Arts in Paris und an der Londoner Kunsthochschule, wo sie schließlich auch Salvador Dalí kennenlernte. Jahrelang beeinflusste das Malergenie, das Lear stets als "Mentor und guten Freund" bezeichnet hat, ihre Kunst. Viele ihrer ersten, größeren Arbeiten seien, so sagen Experten, von der "Darstellung des Unwirklichen und Traumhaften" geprägt. Im Laufe der Zeit befreite sich Amanda Lear jedoch von Dalís Einfluss, emanzipierte sich gewissermaßen.

In verschiedenen Interviews bezeichnet sie diesen Prozess sogar als "Exorzismus". Die Abnabelung sei notwenig gewesen, um einen eigenen Stil zu entwickeln, der teils an Pablo Picasso oder auch Henri Matisse, erinnert.

Amanda Lear malt Pferde, Frauenkörper und muskulöse Engel. Später nehmen, so sagt sie, "mythologische Themen" einen großen Raum ihres Schaffens ein. "Es ist ein bisschen schade, dass meine Malerei immer vom Image der Disco-Königin überschattet wurde", sagte sie mal.

Einer, der das ändern will, ist der Hamburger Galerist Thomas Niemann-Mantzel. 37 Bilder aus den Jahren 1983 bis 2013 wird er ab Mittwoch in der Galerie Claudius präsentieren und den Besuchern einen Einblick in das künstlerische Schaffen von Amanda Lear liefern. Dafür hat der Galerist sogar einen Abstecher nach Frankreich gemacht: Vor vier Wochen war er mit einem Transporter in die Provence gefahren, um die Werke bei Amanda Lear zu Hause abzuholen. "Sie lebt in einem tollen Anwesen. Im Garten stehen Olivenbäume und das ganze Haus ist voller Katzen", erzählt der Hamburger Galerist Niemann-Mantzel.

Starallüren habe er bei Amanda Lear nie festgestellt. "Sie war so lieb und freundlich, vollkommen unkompliziert. Ich durfte mir die Bilder sogar selbst aussuchen." Bereits im Jahr 2006 hatte die Galerie im Herzen Harvestehudes, damals noch im Besitz des mittlerweile verstorbenen Günter Claudius, der Künstlerin Amanda Lear eine Ausstellung gewidmet. Trotzdem erwartet die Hamburger Besucher nun wieder etwas ganz Neues: "Ihre Arbeiten haben sich in den vergangenen Jahren enorm verändert", erklärt Thomas Niemann-Mantzel. Außerdem seien schließlich auch einige "ganz frisch entstandene Werke" dabei. "Bei dem letzten Bild, dass ich aus ihrem Atelier mitgenommen habe, war die Farbe noch nass."

Am Dienstag wird Amanda Lear aus Paris, wo sie gerade am Theater spielt, in Hamburg eintreffen, um bei der feierlichen Vernissage am Mittwochabend dabei zu sein. Wo sie übernachtet? "Das bleibt ihr Geheimnis", sagt Niemann-Mantzel. Wie wahrscheinlich vieles andere auch.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.