Uebel & Gefährlich

Dürfen gerne wiederkommen, die Beady Eyes

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Thomas Andre

Ex-Oasis-Mann Liam Gallagher hatte und machte beim Konzert im Uebel & Gefährlich Spaß. Die Songs des neuen Albums klangen live toll, satt und fett.

Hamburg. Gitarrist Andy Bell nahm anderthalb Stunden lang die Sonnenbrille nicht ab, noch cooler war nur Liam Gallagher höchstselbst: Keiner kann so grundlässig ins Publikum starren wie er. Letzteres goutierte natürlich alles, was der Meister mit seiner Band Beady Eye im Uebel & Gefährlich anstellte – weil die Briten einfach ein supergutes Konzert spielten. Der als ehemaliger Oasis-Frontmann ganz andere Dimensionen gewohnte Gallagher schien Spaß zu haben im kleinen Kiezclub, besonders seine stimmliche Performance (gut, eine andere gibt es auch nicht) war herausragend. Gibt es da, bitteschön, überhaupt eine bessere Stimme im britischen Rock? Nein, sagen wir forsch und sind damit nicht die Einzigen. Zweifel bestanden aber immer bezüglich der Songwriterqualitäten des jüngeren Gallagher. Mit dem neuen Album „BE“ hat sich das nun erledigt.

Die Songs des neuen Albums klangen live toll, satt und fett: „Flick Of The Finger“, „Shine A Light“, „Start Anew“. Die Bläser-Synthies waren eine perfekte Illusion, die Big Band musste man sich schon dazuimaginieren. Das gilt nicht für die Schweißperlen, die im heiß temperierten Bunker popbegeisterte Leiber entlangronnen. Der Ausschank hatte Vollbeschäftigung, weil Beady Eye Durst hatte. Am derbsten abgefeiert wurden, na klar, die Oasis-Klassiker „Morning Glory“ und „Rock'n'Roll Star“, die ein für allemal klarmachten, dass Nostalgie eine der wichtigsten Kategorien im Pop ist. Was einer wie Gallagher darüber denken mag, dass die Leute die von Noel Gallagher geschriebenen Songs, besonders „Rock'n'Roll Star“, so frenetisch begrüßten?

Das war er an diesem Abend, der gereifte Gallagher: ein Star. Was er zwischen den Songs ins Mikro nuschelte, verstand aber kein Mensch. Ganz egal: Gefühlt war der Sound nie besser im Uebel. Da fühlte sich die Fanseele wohl, in neun von zehn Fällen war sie übrigens männlich. Britpop der rockigen Art war immer schon eher eine Sache für Typen. Im Jahr 2013 sind sie gealtert und haben auch mal Bierbäuche, aber die guten, alten Zeiten haben sie nicht vergessen. Beim elegischen Schlusssong „Wigwam“ grölten alle noch einmal mit.

Wenn im kommenden Jahr das legendäre Oasis-Debüt „Definitely Maybe“ seinen 20. Geburtstag feiert, wird Liam Gallagher übrigens endgültig zu den Oldtimern einer Branche gehören, die sich eben nicht nur über die immerwährende Gegenwart und das Jungsein definiert, sondern auch über den Reifeprozess ihrer Protagonisten. So weise wie der Rockopa Dylan wird Gallagher nie werden, aber vielleicht steht er auch noch mit 70 in der typisch gebückten Haltung am Mikro – „facing the crowd“, die so frei ist, grinsend zurückzustarren.

Dürfen wiederkommen, die Beady Eyes.