Medienstar und Wegbereiter des Untergangs

Eine ARD-Geschichtsdoku beschäftigt sich mit Reichspräsident Hindenburg

Wenn jemand imstande gewesen wäre, Hitlers Machtergreifung zu verhindern, dann wäre es Hindenburg gewesen. Zu diesem Schluss kommt Christoph Weinert in der Dokumentation „Geschichte im Ersten: Hindenburg – Der Mann, der Hitler an die Macht verhalf“. Weinert untersucht, warum der Reichspräsident es nicht getan hat, und stellt in einer filmischen Biografie erstmals die neueren Forschungsergebnisse vor. Er zeigt, dass Hindenburg in seinen letzten Jahren keineswegs senil oder geistig unzurechnungsfähig war. Die ARD strahlt die bemerkenswerte Dokumentation an diesem Montag aus.

Paul von Hindenburg (1847–1934), populärer Generalfeldmarschall im Ersten Weltkrieg und Reichspräsident von 1925 bis 1934, war auch so etwas wie der erste Medienstar der deutschen Politik. Sein Porträt war in fast jedem Haushalt zu finden. Es zierte Bierkrüge, Zigarren und Aschenbecher, Mundharmonikas, Kinderspielzeug, Wurstpellen und vieles mehr. Er versorgte die Zeitungen großzügig mit Material und ermöglichte sogar die ersten Homestorys.

Autor Christoph Weinert hat Erfahrung mit historischer Materie. Er drehte „Geheimsache Mauer“ sowie weitere zeitgeschichtliche Dokumentationen über Helmut Schmidt, Otto von Bismarck, Wilhelm II. Für diesen Film befragte er auch den Enkel des Reichspräsidenten, Hubertus von Hindenburg, der angibt, bis heute täglich über die Verantwortung seines Großvaters nachzudenken. Weinerts Film beginnt und endet mit dem spektakulären Brand des Luftschiffs „Hindenburg“. Besonders bemerkenswert ist aber die Beschreibung des Enkels vom Ablauf der Beerdigung: Er macht darauf aufmerksam, dass Hitler bis dahin bewusst den Habitus des bescheidenen Zivilisten gewahrt hatte. Am Sarg trat er dem Verstorbenen in Uniform gegenüber. Weinert ist eine spannende Dokumentation gelungen, die mit etlichen historischen Märchen aufräumt.

„Geschichte im Ersten“ Mo 23.30 Uhr, ARD