Deutsche nutzen mehr traditionelle Medien als andere

Bedeutung von Suchmaschinen beim Auffinden digitaler Nachrichtenangebote ist groß

Hamburg. Das von der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein und dem Hans-Bredow-Institut (HBI) alljährliche Mediensymposium in der Handelskammer ist längst eine feste Institution. Und mittlerweile ist es guter Brauch, dass dort eine brandneue Medienstudie präsentiert wird. Am Mittwoch stellten die HBI-Forscher Uwe Hasebrink und Sascha Hölig eine Untersuchung des Reuters Institute for the Studies of Journalism der Universität Oxford vor – zumindest die Ergebnisse, die Deutschland betreffen.

Das Resultat für die heimischen Medien fällt zwiespältig aus. In keinem der untersuchten Länder spielen beim Nachrichtenkonsum traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitungen und Zeitschriften eine nach wie vor so große Rolle wie in Deutschland. Andererseits tun sich hierzulande Medienhäuser besonders schwer damit, den Journalismus der Zukunft zu finanzieren. Abgesehen von Großbritannien ist nirgendwo die Bereitschaft geringer für Online-Nachrichten zu zahlen als in Deutschland. 88 Prozent der befragten Deutschen geben an, noch nie einem Cent für Online-Journalismus ausgegeben zu haben. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Die Zahl der Deutschen, die bereits für digitale Informationen gezahlt haben, hat sich innerhalb eines Jahres von sechs auf elf Prozent nahezu verdoppelt.

Wie groß die Bedeutung von Suchmaschinen beim Online-Nachrichtenkonsum ist, zeigt ein anderes Ergebnis. Hinter "Spiegel Online" ist Google News für die Deutschen die wichtigste digitale Nachrichtenquelle. Und beim Auffinden von Nachrichtenangeboten verlassen sich 56 Prozent der Deutschen auf Suchmaschinen. Das passte zum Thema des Symposiums mit dem Motto "auffinden auffindbar machen auffindbar sein: Informative Inhalte in digitalen Medien". Bürgermeister Olaf Scholz wiederholte seine Forderung nach einem Medienstaatsvertrag, der sich auf alle Mediengattungen erstrecken solle. Er wolle die strenge Rundfunkregulierung aber nicht auf Online und Presse ausdehnen, sagte er.

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