Symphoniker schreiben ihr Reformationsprojekt fort

Hamburg. Ob er Chefdirigent der Hamburger Symphoniker bleiben wird, auch über die kommende Spielzeit hinaus, das ließen Jeffrey Tate und Intendant Daniel Kühnel bei der Vorstellung ihres Programms für die Saison 2013/14 am Montag alarmierend offen. Fest steht: Danach endet Tates Vertrag. Spürbar ist: Beide Seiten möchten gern miteinander weitermachen. Tate monierte, seit der Willensentscheidung der Stadt zur Hochstufung in den Status des A-Orchesters sei „nicht viel passiert“, und das Orchester müsse „für die enorme Arbeit belohnt werden“, die es leiste. Kühnel signalisierte Einsparzwänge, unter denen sich die notwendige personelle Erweiterung des Orchesters keinesfalls realisieren lasse. Zwar seien die Gehälter der Musiker angepasst worden, aber es fehlten nach wie vor Stellen im Plan.

Dramaturgisch steht die Saison im Zeichen des mit viel Geld des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderten „Reformationsprojekts“ und einer Konzentration der Kräfte. Unter Berufung auf Martin Luther möchten die Symphoniker den Gesang nicht nur als Beiwerk zum Gottesdienst verstanden wissen, sondern selbst zum Bestandteil ihrer Gottesdienste im säkularen Raum erheben. Entsprechend umfangreich fällt der Anteil an Vokalkompositionen aus, von zwei Passionswerken, Arvo Pärts „Passio“ mit dem Chor-Charismatiker Eric Whitacre und Bachs „Johannespassion“ mit dem britischen Elite-Kammerchor Tenebrae über Brahms „Deutsches Requiem“ bis zur konzertanten Aufführung von Humperdincks Oper „Die Königskinder“.

Braunstein und Tate verstehen beide die Symphoniker als Kammerorchester

Guy Braunstein, ehemals „Artist in residence“, haben die Symphoniker jetzt zum „Ersten Gastkünstler“ erkoren, da er sowohl geigend als auch dirigierend ihr Programm mitgestaltet. Braunstein führe das Orchester in seinem Sinne, nämlich als „große Kammer“, sagte Tate, der selbst bei sieben Konzerten am Pult stehen wird. So leitet er ein Bachprogramm, dem neben zwei Kantaten auch Schönberg- und Strawinsky-Bearbeitungen von Bach beigemischt sind, ein reines Mozartkonzert mit dem Pianisten Shai Wosner sowie einen englischen Abend. Weitere Gastsolisten sind die Cellisten Alisa Weilerstein, Zvi Plesser und Maximilian Hornung sowie die Pianistinnen Elena Bashkirova und Yuja Wang.

In einem Sonderkonzert vor der Saisoneröffnung dirigiert der chinesische Komponist Tan Dun die erstmalige Aufführung aller vier Teile seines „Orchestral Theatre“, womit Tan Dun auch Richard Wagner seine Reverenz erweisen möchte. Ein „Ring“ aus dem Reich der Mitte, sozusagen.