Die Frau in mir

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Karolin Jacquemain

In der Beziehungskomödie "Zur Sache, Macho!" beim Privatsender Sat.1 wird ein echter Kerl mit seinem weiblichen Ich konfrontiert

Klar, es gibt solche Typen. Wissen den Namen der Frau neben ihnen im Bett am nächsten Morgen nicht mehr, nennen alle langhaarigen Wesen unter 50 Jahren "Honey" und halten das eigene Spiegelbild für Gottes Meisterleistung. Bei genauerer Betrachtung ist diese männliche Spezies eher vom Aussterben bedroht. Der Privatsender Sat.1 allerdings dreht munter einen Film nach dem nächsten über Ekelmachos in der Midlife-Crisis, als drängelten sich diese auf den Gehwegen und in den Kantinenschlangen. Warum? Weil sich das Vom-Schwein-zum-Traummann-Prinzip endlos variieren lässt. Und selbst jene Zuschauer, die zwei Stunden lang mit gesenktem Kopf aufs Bügelbrett gestarrt haben, können beim Abspann befriedigt nicken ("Wusst ich doch!"), wenn die Liebe alle charakterlichen Totalausfälle im Alleingang geheilt hat. Hach!

Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Beziehungskatastrophenfilm "Zur Sache, Macho!" mit Max von Pufendorf in einer Doppelrolle. Georg ist Vertriebschef in einer Sektkellerei, ein in seinen Anzug hineingebügelter Typ, angestrengt frisiert und von der eigenen Großartigkeit restlos überzeugt. Immer eine Spur zu laut, zu breitbeinig. Er läuft jedem Rock hinterher (genauer: Jeder Rock läuft ihm hinterher) und ist in seinem Umfeld so beliebt wie ein Legebatteriebesitzer im Tierschutzverein. Unter mysteriösen Umständen, die näher zu erklären sich nicht lohnt, wacht Georg eines Morgens neben seinem eigenen, weiblichen Ich auf. Waltraud Winter, genannt Walli, trägt Mustermixkleider zur Hakennase und weicht Georg fortan nicht mehr von der Seite. Sie punktet in der Sektfirma mit einfühlsamen Tipps zur Selbstoptimierung und entwickelt sich für den Machomann zum härtesten Konkurrenten. Im Job und in der Liebe.

Wie sich jeder Zuschauer denken kann, ist dieser Body-Switch-Film, der ursprünglich "Die Frau in mir" heißen sollte, nicht viel komplexer als eine Folge "Sendung mit der Maus". Entweder man schaltet also von vornherein nicht ein (und hat dann auch nicht viel verpasst). Oder man beschließt, sich an dem ungetrübten Draufgängertum zu erfreuen, mit dem der Bällchensender seine Fiktionproduktionen seit Jahren beharrlich überzieht. Zwischentöne sind hier selten gesehen. Das ist in dem Stalkermovie "Das Verhängnis" mit Ex-Eiskunstprinzessin Katarina Witt nicht anders als in der Zeugenschutzprogrammromanze "Familie Undercover". Die Bilder sind bunter, knalliger, als man es von öffentlich-rechtlichen Produktionen kennt, die Musik (in diesem Fall: Gangnam Style, The Verve, Dinah Washington) wummert, wenn die Cabrioreifen quietschen, die Cocktailgläser volllaufen, die Figuren ins Kopfkissen weinen.

Wo ARD und ZDF kaum noch wissen, auf welchen Sendeplätzen sie all die in Auftrag gegebene Krimikost senden sollen, hat sich Sat.1 (von "Wanderhuren"-Ausflügen einmal abgesehen) auf Zeitgeistkomödien spezialisiert. Auf eine Art Komödieremix mit immer gleichem Beuteschema und einer Handvoll Lieblingsschauspieler(innen).

In "Zur Sache, Macho!" (Regie: Michael Rowitz) spielt Mirjam Weichselbraun Georgs Ex-Freundin Lisa, die die Unternehmensleitung in der Sektkellerei ihres Vaters übernimmt. Lisa ist patent, liebenswert und spielt vom partnerschaftlichen Standpunkt aus betrachtet in einer komplett anderen Liga als Georg. Mirjam Weichselbraun lässt das blonde Haar schöner wippen als in einem Werbespot für Volumenshampoo und sagt selbst Floskelsätze wie "Fahr zur Hölle!" mit einer Inbrunst, als habe sie die Worte gerade eben erfunden. Früher hat Sophie Schütt solche Rollen bei Sat.1 gespielt, heute also Weichselbraun. Es braucht erst die resolute Walli sowie Lisas bevorstehende Hochzeit mit einem braven Jüngling, damit Georg seine Probleme nicht länger an der Bar löst, sondern in die Arme seiner Lebensliebe findet.

Ein zu Herzen gehender Drehbucheinfall ist die Geschichte um den geistig behinderten Bruder Micha, der wie so viele unter Georgs Trampelgemüt leidet. Micha lebt im Heim und wünscht sich nichts sehnlicher, als mit seinem Bruder eine Sternwarte zu besuchen. Aber der hat immer keine Zeit, keine Lust, eine akute Lebenskrise. Auch in dieser Angelegenheit braucht Georg einen geistigen Fußtritt von Walli. Und so schließt sich der Kreis. Denn es war Micha, der sich einst in einer Sternschnuppennacht gewünscht hat: "Georg soll bekommen, was er verdient." Manche Typen lernen es halt nicht anders.

"Zur Sache, Macho!", heute, 20.15 Uhr, Sat.1