Matthew Herberts Spiel mit der "Zeit": wenig mehr als ein Spaß

Hamburg. Am Ende löste die "Zeit" sich auf. Da flogen die Seiten des gleichnamigen Wochenmagazins von den Rängen ins Parkett des Thalia Theaters und verwandelten das Parkett in eine Müllhalde aus Papier. Durchaus intendiert, denn der britische Klangkünstler Matthew Herbert wollte in der Performance "One Day" herausfinden, was man mit einer Zeitung alles anstellen kann. Am meisten Spaß hatten die Zuschauer daran, Papierflugzeuge zu bauen und sie in Richtung Bühne fliegen zu lassen.

Diese infantile Spielerei war nur ein Aspekt dieser multimedialen Reise durch die "Zeit". Der britische Komponist hatte Musik zu einzelnen Artikeln aus der Ausgabe des 15. November 2012 geschrieben, die vom Ensemble Resonanz und von Musikern aus Herberts Band gespielt wurde. Am beeindruckendsten war eine Passage, die auf einem nur zehn Sekunden langen Ton basierte, den ein syrischer Journalist bei einem Luftangriff der syrischen Armee mitgeschnitten hatte und aus dem Herbert ein etwa zehn Minuten langes Stück kreiert hatte. In diesen Momenten kam Herberts kritische Weltsicht durch, doch allzu viel wird der einzelne Zuschauer von diesem 15. November nicht mit nach Hause genommen haben. Bei diesem interaktiven Spiel mit Papiergeraschel als Grundrauschen - jeder Zuhörer hatte am Eingang ein Exemplar der Zeitung erhalten - wurde das Auditorium mit einem Sammelsurium an Informationen überflutet: mit Musik, Videoeinspielungen, von Thalia-Schauspielern gelesenen Texten. Am Ende war diese Performance doch kaum mehr als ein Spaß, den man sehr schnell wieder vergessen hat.