Kinostart: 13. September

Raffinierte Perspektiven: "Das grüne Wunder - Unser Wald"

| Lesedauer: 2 Minuten
Volker Behrens

Die Dokumentation von Jan Haft nähert sich dem deutschen Sehnsuchtsort Wald mit grandiosen Bildern - und pathetischen Texten.

Kaum ein Ort ist für Deutsche so sehr mit Mythen, Legenden, aber auch Ängsten verbunden wie der Wald. Einen neuen Blick auf die alte Landschaft, die etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands bedeckt, wirft der Regisseur Jan Haft mit seinem Dokumentarfilm "Das grüne Wunder - Unser Wald". Und er fördert dabei wirklich viele Bilder zutage, die man so kaum vorher gesehen hat.

Haft geht mit der Kamera gern ganz nah heran und lässt dabei die Zeit sehr effektiv aus den Fugen geraten. So umkreist er in Zeitlupe Fichtenzapfen und zeigt, wie die Samen langsam zu Boden fallen. Das Lebermoos dagegen beobachtet er im Zeitraffer, um zu zeigen, wie sehr dessen Reifungsprozess einem Tanz ähnelt. Und natürlich zeigt er possierliche Tierkinder wie Fuchswelpen und Frischlinge. Haft, einer von Deutschlands renommiertesten Naturfilmern, hat seine Dokumentation aus 250 Stunden Material zusammengestellt, das er an 70 Schauplätzen in Deutschland, aber auch in Dänemark und Österreich drehte. Dabei nutze er raffinierte Technik wie Schnorchel- und Endoskopoptiken. Mehrfach setzte er Heißluftballons ein, um sich seinen Motiven möglichst lautlos aus der Höhe zu nähern.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt jedoch der Text, mit dem der Filmemacher seine Aufnahmen unterlegt hat. Folgen wirklich alle Lebewesen einem Plan? Wenn die Laubbäume ihre Blätter entfalten, heißt es "der Kampf ums Licht ist entschieden". Warum dieses Pathos, das durch den Vortrag des Erzählers Benno Fürmann sogar noch verstärkt wird?

An mancher Stelle hätte man sich stattdessen mehr Informationen gewünscht. Auch wirkt die musikalische Untermalung phasenweise übertrieben. Wälder sind schon der Gegenstand zahlloser Dokumentationen gewesen, viele der dargestellten Kreisläufe sind bekannt. Da ist es bei aller Qualität des Bildmaterials manchmal schwer, auch noch mit einer Dramaturgie zu überzeugen, die Zuschauer über mehr als 90 Minuten fesselt.

Bewertung: empfehlenswert

"Das grüne Wunder - Unser Wald" Deutschland 2012, 93 Minuten, o. A., R: Jan Haft, täglich im Abaton, Koralle, UCI Othmarschen-Park; Internet: www.dasgruenewunder-derfilm.de