Ein gekonnter Schnellschuss

Kammerspiele: Jubel für den schwungvollen Saison-Auftakt mit der Musical-Revue "Life is . . ." von Hardy Rudolz.

Hamburg. Flott ist er ausgefallen, der Einstieg der Kammerspiele in die neue Spielzeit. Er wäre noch ein bisschen flotter gewesen, hätte die Musical-Revue "Life is . . ." sich nicht an den Untertitel: "Was Sie schon immer über das Musical wissen wollten" gehalten. Der erste Teil geriet nämlich zur betulichen Lektion über das in Deutschland zwar von Zuschauern gestürmte, aber von den Kritikern verkannte Genre. Das Musical, ist's gut gemacht, hat derlei halbherzige Ehrenrettungsversuche gar nicht nötig.

Es spricht immer noch für sich selbst am besten. Haben die Spieler die moderatorenhaft "lockere" Publikumsbefragung ("Wussten Sie eigentlich schon . . .) überstanden, können sie zur Sache kommen. Zum Singen der Hits. Und da gelingt ihnen teilweise Hervorragendes. Denn Mathias Christian Kosel ist ein ausgezeichneter Arrangeur und Begleiter am Flügel. Er hat die Reißer von "Cabaret" bis "West Side Story" kammermusikalisch und jazzig für zwei Klaviere arrangiert, die zwischen Hans Wink-lers silbrig glänzenden Art-deco-Showtreppen stehen.

Das Sänger-Sextett kommt voll zum Zug und kann zeigen, was es draufhat. Den Judy-Garland-Ohrwurm "Somewhere over the Rainbow" frischen Charlotte Heinke und Stefanie Kock im Duett wunderbar auf. Auch "Honey Suckle Rose" bringen Rüdiger Reschke und Hardy Rudolz charmant über die Rampe. Rudolz, der Regisseur und Choreograph der Show, könnte allerdings Kurt Weills "September Song" stimmlich etwas schlanker und gedanklich schärfer nehmen.

Seine Inszenierung ist ein so gekonnter wie routinierter Schnellschuss. Denn ein US-Verlag stoppte die von Rudolz geschriebene Show über das Broadway-Erfolgsduo John Kander und Fred Ebb. Ihr Hit "New York, New York" war dennoch zu hören. Nach der Pause wurde zwar nicht mehr geredet und nur gesungen, doch die Nummernfolge des Liebes- und Ehe-Reigens fiel eindeutig schwächer aus. Nicht zu toppen war Tamara Wörner in "I Am What I Am": Das farbige Energiebündel outet sich in urigem Bayerisch als Deutsche und entwaffnet superkomisch alle Vorurteilsklischees gegenüber Schwarzen.

Der Abend wirkt dennoch beliebig im Kammerspiele-Programm und bleibt eine Verlegenheitslösung. Schneider-Vorgänger Ulrich Waller bot auch Musikalisches, hatte dafür aber ein Konzept: die Spurensuche nach der durch die Nationalsozialisten verloren gegangenen deutschen Unterhaltungskultur.

  • Vorstellungen vom 8.- 11., 21.- 23. 9. und am 18. 9. in den Hamburger Kammerspielen; Karten: 0800-41 33 44 0.