Schräger Bankraub-Klamauk

Ohnsorg-Theater: Keen Geld för Dösbaddels

Hamburg. Nullachtfuffzehn lautet der Tresorcode in der Bürgerbank Bönningstedt. Nach demselben Schema kombinierte Markus Voell seine Krimiparodie "Keen Geld för Dösbaddels", die im Ohnsorg-Theater Premiere hatte. Die schräge Story von den dusseligen Rentnerräubern, die redlicher sind als ihre Geiseln, wirkt so unwahrscheinlich wie die Tatsache, daß Bankräuber eifriger nach der Kaffeemaschine suchen als nach dem Geldschrank. Die eine Hälfte des Publikums fand denn auch die Bankraub-Klamotte einfach doof, die andere konnte sich königlich darüber amüsieren.

Ohnsorg-Intendant Christian Seeler hatte die Lacher ebenfalls auf seiner Seite. Er erschien nämlich als Nachrichtensprecher auf dem Fernsehschirm und informierte aus dem NDR-Studio des "Hamburg Journal" über die "gefährliche Geiselnahme".

Dabei ließ sich Seeler nicht die Chance entgehen, zu melden, daß Kultursenatorin Karin von Welck der Forderung der Hamburger Privattheater nach Erhöhung der Förderung um 15 Prozent zugestimmt hätte. Bravos und Szenenbeifall für die giftige Spitze.

Bekanntlich sieht die Wirklichkeit anders aus, das Ohnsorg muß zwei Prozent der Subvention zugunsten des Privattheaterfördertopfes abgeben. Aber im Theater kann man sich doch noch eine bessere Welt wünschen. Darum sind die beiden Halunken (Karl-Ulrich Mewes und Jürgen Lederer) im Grund herzensgute Tröpfe. Und die betrogene Ehefrau (so resolut wie schlagfertig: Edda Loges) darf zum guten Ende im Tangoschritt als Siegerin aus dem abgekarteten Spiel abschieben. Sie übernimmt nach der Pause (auch darstellerisch eindeutig) die Führung und trickst als Boss die betrogenen Betrüger aus: Das kurvenreiche Flittchen Vanessa (Sandra Keck) und ihr geldgeiler, doch hasenfüßiger Galan (Frank Grupe) sitzen in der Falle.

Regisseurin Meike Harten wäre ein stärkeres Stück für ihr Ohnsorg-Debüt zu wünschen gewesen, doch sie stellte präzise und gewitzt die haarsträubende Geschichte auf den orangefarbenen Teppichboden von Eva Humburgs ironisch nach nullachtfuffzehn gestylter Bankfiliale.

  • Vorstellungen bis zum 19. 2. im Ohnsorg-Theater, Große Bleichen 25, Karten: 8,50-29,50 Euro, Tel. 35 08 03-21.