Treffende Komödie über Männer

Neil Simon auf Platt im Ohnsorg

Hamburg. Der Fensterblick auf den Fernsehturm signalisiert: Neil Simons Boulevard-Renner "Ein seltsames Paar" ist ganz und gar in Hamburg angekommen. Er wurde zwar hier schon öfter gespielt, doch erst das Ohnsorg holt ihn wirklich nach Hause. Und gibt in der plattdeutschen Neuauflage statt krachendem amerikanischen "Männerehe"-Klamauk eine vergnüglich treffsichere Charakterkomödie über die Herren im allgemeinen und insbesondere "Een snurrig Poor".

Regisseurin Meike Harten nimmt Situation und Figuren des Stücks ernst, entwickelt mit dem scharfen Blick der Frau für männliche Schwächen und Widersprüche, aus dem Clinch der beiden, von ihren besseren Hälften sitzengelassenen Freunden ein Spiel voll bissig-witziger Seitenhiebe auf Männer-Macken. Jenseits der Karikatur rechnet Harten augenzwinkernd ab mit typischen Vertretern des starken Geschlechts. So hart im Nehmen sind sie denn doch wieder nicht, als daß sie sich der Tränen aus Selbstmitleid schämten.

Im braun-orangefarbenen 70er-Jahre-Ambiente mit unvermeidlichem Flokati und Dreiminutenlicht im Treppenhaus (Bühne: Katrin Reimers) sind sie am Pokertisch versammelt: Vom luschigen Macho (Till Huster) und pingeligen Hypochonder (füllig um die Hüften mit wehleidiger Dauermiene: Manfred Bettinger) über den hasenfüßigen Bankbeamten (Erkki Hopf) bis zum Pantoffelhelden in Polizeiuniform (Frank Grupe). Klar, daß die Damen im Publikum sich prächtig amüsieren und lauthals lachen.

Die Komik der Inszenierung entspringt aus der verzweifelten Notgemeinschaft von Felix und Oskar. Die beiden sind so verschieden wie Tag und Nacht und müssen sich auf die Nerven fallen. In ihrer Weigerung, sich zu ändern, sind sie sich aber völlig gleich. Huster spielt keinen Griesgram, eher einen treuherzigen Kerl, der nie auf den Gedanken käme, sein Verhalten in Frage zu stellen. Anders als Kumpel Felix lernt er aus der Wiederholung "ehelicher" Beziehungsmuster.

Die Regisseurin, selbst exzellente Schauspielerin, profiliert sich mit ihrer Inszenierung. Harten arbeitet sehr genau mit den Darstellern. Alle überzeugen, auch in aberwitzigen Szenen und verfallen nicht ins Chargieren - nicht einmal Beate Kiupel und Meike Meiners in der ulkigen Episode der auf Sex spitzen "Fink-Sisters" aus Cuxhaven.

  • Een snurrig Poor bis zum 7. Januar. Ohnsorg-Theater, Große Bleichen 23, Karten von 11-26 Euro, Tel: 35 08 03 21.