Prominente plaudern

Neues Buch: "Hinter dem Ruhm"

HAMBURG. Mit berühmten Menschen werden meist Interviews geführt, in denen die Spielregeln klar bestimmt sind: Einer fragt, der andere antwortet, möglichst kurz. Dabei geht es hauptsächlich um das Schaffen der Person, selten um ihre Persönlichkeit

Jörn Jacob Rohwer hat dagegen lockere, manchmal sehr intime Gespräche mit 20 Persönlichkeiten aus der Welt der Kunst aufgeschrieben. Dabei guckt er auf das, was "Hinter dem Ruhm", so der Titel, steht: Charaktere mit ihren Eigenheiten und Geschichten.

Seit 15 Jahren veröffentlicht er in deutschsprachigen Feuilletons wie denen der "Zeit", der "Neuen Zürcher Zeitung" oder der "Baseler Zeitung". In dieser Zeit erzählte ihm Susan Sontag, wie sie als junges Mädchen zu Thomas Mann zum Kaffee kam, Edmund White plaudert scheinbar scheu über sexuelle Abenteuer in Wolkenkratzern, und Paloma Picasso erzählt von ihrer Freundschaft zu Andy Warhol. Das allerdings sind nur kleine Ausschnitte der vielseitigen Gespräche. In denen versteht es Rohwer vorbildlich, sich auf dem Grat zwischen Nachhaken und Grenzen akzeptieren zu bewegen.

Für die Lektüre ist es egal, ob man die Künstler und Kunsthändler unterschiedlichster Sparten bereits kennt. Durch die Gespräche lernt der Leser sie kennen: Rohwer konzentriert sich zwar auf den Menschen ihm gegenüber, aber er vergißt dabei nicht, daß dieser Mensch etwas geschaffen hat, das es zu benennen gilt.

  • Jörn Jacob Rohwer: "Hinter dem Ruhm". Steidl, 320 Seiten, 19,90 Euro.

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