Tilo Sarrazin

Umstrittenes Sarrazin-Buch ist Bestseller des Jahres

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In einem Interview rechnet Thilo Sarrazin zudem mit seinen Kritikerin ab und spricht von „Hass aus der politischen Klasse und einem Teil der Medien".

Hamburg. Der Roman "Hummeldumm" von Tommy Jaud und das umstrittene Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin sind in Deutschland die Bestseller des Jahres. Zu den erfolgreichsten Autoren zählen außerdem Jussi Adler-Olsen und Stephenie Meyer. Dies geht aus der Jahresbestseller-Liste des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hervor.

"Hummeldumm", die Schilderung der Erlebnisse einer Reisegruppe in Namibia, führt in der Belletristik die Rangliste an. Gleich zweimal unter die Top 10 schaffte es der dänische Krimiautor Adler-Olsen: Sein Buch "Erbarmen" liegt auf Platz zwei, "Schändung" auf Platz fünf. Dritter der Jahresrangliste ist Ken Folletts "Sturz der Titanen". Großer Beliebtheit erfreut sich auch Stephenie Meyer mit ihren Vampirbüchern. Der neue Roman "Freiheit" des US-Autors Jonathan Franzen liegt auf Platz 14, einen Rang vor Ferdinand von Schirachs zweitem Buch "Schuld".

In der Sparte Sachbuch ist der millionenfach verkaufte Bestseller "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin erwartungsgemäß die Nummer eins. Dahinter rangiert "Das Ende der Geduld" der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich in diesem Jahr das Leben genommen hat.

+++ Was Thilo Sarrazin geschrieben und gesagt hat +++

Zum Jahresende rechnete Sarrazin mit seinen Kritikern ab. In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag) schrieb er vom „Hass aus der politischen Klasse und einem Teil der Medien“ ihm gegenüber. In der Politik und vielen Medien sei sein Buch „feindlich“ aufgenommen worden. Sarrazin konstatierte eine „beispiellose Medienkampagne“ mit „verleumderischen Zügen. Er selbst erfahre fast nur Zustimmung für sein Buch. „99 Prozent aller für mich wahrnehmbaren Reaktionen sind positiv.“

„Die Bundeskanzlerin eröffnete den Reigen und setzte mein Buch auf den Index, so wie es früher die Heilige Inquisition tat, indem sie erklärte, das Buch sei „nicht hilfreich“ und sie werde es auch nicht lesen“, schrieb Sarrazin. „An die Stelle des Scheiterhaufens trat nach ihrer Planung die Verbannung aus der Bundesbank, dazu forderte sie Präsident (Axel) Weber öffentlich auf. Der frisch gewählte Bundespräsident (Christian Wulff) stolperte eilfertig hinterher und bot seine Hilfe bei meiner Entlassung an, ohne vorher den Rechtsrat seiner Beamten einzuholen.“ Sarrazin weiter: „Mit ein bisschen Michael Kohlhaas im Blut hätte ich eine Staatskrise herbeiführen können.“

Nur kurze Zeit sei er zornig über die Kritiker in Politik und Medien gewesen, die ihn verurteilten, ohne das mittlerweile 1,2 Millionen mal verkaufte Buch „Deutschland schafft sich ab“ überhaupt gelesen zu haben. „Stattdessen machte sich Verachtung in mir breit. Diese Verachtung sitzt mittlerweile tief“, sagte der frühere SPD- Politiker und Berliner Finanzsenator, gegen den mittlerweile ein Parteiausschluss-Verfahren läuft.