Fall Heinze

Auch eine ARD-Tochter ist Teil der Affäre

Jubelte die suspendierte NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze das Drehbuch einer unbekannten Autorin der Degeto unter?

Hamburg. Das Urteil von "TV Spielfilm" war eindeutig: "Betuliche TV-Romanze nach dem Motto: ,Alte Liebe rostet nicht!'", so das Blatt über den Film, den das Erste am 23.9. 2005 um 20.15 Uhr ausstrahlte. Dennoch sahen 3,47 Millionen Zuschauer die Schmonzette, was einem Marktanteil von 11,6 Prozent entspricht. Eine gewisse Professionalität ist dem Streifen mit dem Titel "Heiraten macht mich nervös" also wohl nicht abzusprechen.

Dessen Drehbuchautorin Monika von L. macht Telefonieren nervös - jedenfalls dann, wenn Journalisten am anderen Ende der Leitung sind. Mit der Presse möchte die Dame aus dem schönen Bayern nicht sprechen. Das ist verständlich, denn es gibt den Verdacht, dass die suspendierte Fernsehspielchefin des NDR, Doris J. Heinze, der in der TV- und Fernsehbranche unbekannten Autorin die Feder geführt hat.

Heinze hatte auch einen Niklas Becker mit fünf Drehbüchern beauftragt. Vergangene Woche kam heraus, dass Niklas Becker das Pseudonym ihres Mannes Claus Strobel war. Ob er oder seine Frau Autor der Bücher war, ist unklar. Als halbwegs gesichert gilt hingegen, dass die Drehbücher einer gewissen Marie Funder, ein Pseudonym der Filmagentin Inga Pudenz, von Heinze stammen.

Sowohl die Becker- als auch die Funder-Bücher jubelte die Fernsehspielchefin dem NDR unter. Federführend bei dem Streifen "Heiraten macht mich nervös" war dagegen die ARD-Tochter Degeto. In deren sogenannter Buy-out-Gruppe saß auch Heinze. Die Runde wählt im Jahr acht bis zehn Drehbücher aus, die die Degeto dann verfilmen lässt. Hat sich die Dame vom NDR dort für diesen Stoff starkgemacht?

Inzwischen tauchte ein weiteres Pseudonym auf: Der NDR bestätigt, dass unter dem Namen "Markus Benz" eine erste Drehbuchfassung für einen "Polizeiruf 110" entstanden ist. Die Kosten für die Folge "Licht aus" wurden ausgebucht, da die Kommissare gewechselt wurden. Damit ist das nächste Problem des NDR benannt: Auch ohne die geschasste Fernsehspielchefin muss der Produktionsbetrieb weitergehen. Das ist nicht ganz unproblematisch, weil auch die Münchner Produktionsgesellschaft AllMedia, die viel für den NDR produziert, derzeit nicht arbeitsfähig ist. Ihre Muttergesellschaft MME Moviement hat sie einstweilen geschlossen, weil AllMedia-Produzentin Heike Richter-Karst offenbar eine Schlüsselfigur in der Heinze-Affäre ist. In zwei Wochen sollen die Dreharbeiten für den "Polizeiruf 110" mit dem Duo Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner beginnen. Produzieren sollte die AllMedia ...