Kleiner Mann mit kleinkarierten Ansichten

Ohnsorg-Theater: Erstmals auf Plattdeutsch: "Unser Dorf soll schöner werden" mit Wolfgang Schenck.

Hamburg. Er gehörte zum Fassbinder- und Zadek-Clan, ging jedoch künstlerisch stets eigene Wege. Die führten den Schauspieler und Regisseur Wolfgang Schenck auch wiederholt ans Ohnsorg-Theater. Heute Abend hat er dort Premiere mit Klaus Chattens Monodram "Unser Dorf soll schöner werden". Die plattdeutsche Erstaufführung des Stücks über einen kleinen Mann mit kleinkarierten Ansichten haben er und seine Frau Liesel Staats gemeinsam erarbeitet. In einem fürs Ohnsorg ungewöhnlichen Studio-Experiment: Schenck spielt umgeben vom Publikum auf der Bühne - sozusagen Aug in Aug mit seinen Zuschauern. "Diese Nähe ist für mich als Schauspieler absolut was Neues", bekennt Wolfgang Schenck. Aber das Tolle an der Situation ist: "Die Leute können nicht aus ihr heraus, genau wie ich. Das kennt doch jeder. Man möchte am liebsten aus einer unangenehmen Lage entfliehen, kann aber nicht." Aus dem Rheinländer Hubert Fängewisch machte Liesel Staats Kalli Haferkamp: "Wir haben den Text ins norddeutsche Umfeld übertragen." Legitim bei dieser Volksfigur, die sympathisch wirkt, durch ihre bornierten Sprüche aber ebenso schockiert. Staats und Schenck überlegen sich sehr genau, welche Texte sie auswählen und bearbeiten. "Wir behandeln das Niederdeutsche als lebendige Sprache, die sich weiterentwickelt, aus rein ländlichen Formen löst und neuere übernimmt, was Platt-Puristen kritisieren", erklärt Staats. Und Schenck betont: "Der Dialekt kann auch zur Kunstsprache mit einer gewissen Musikalität werden, Ausdruck sein für ein soziales Milieu - ähnlich wie bei Horvath." Seit der Uraufführung "De wohre Störtebecker" 1986 gehören Staats und Schenck zu den regelmäßigen Ohnsorg-Gästen. Er spielte mehrfach am Haus, vor sechs Jahren viel beachtet mit Bruder Jochen Arthur Millers "De Pries". Seine wilde Zeit hat er in Bremen bei Peter Zadek und Kurt Hübner erlebt. Er arbeitete mit Wilfried Minks, Peter Palitzsch und Rainer Werner Fassbinder in dessen Bühnen- und Film-Produktionen ("Effie Briest", "Die Welt am Draht"), war zur Zadek-Zeit am Schauspielhaus auch im Ensemble ("Andi"). Nun spielt der Hamburger auf Platt. Seine große Leistung ist: In einer Fremdsprache, die Schenck anfangs gar nicht konnte, lernte er zu ureigenem künstlerischen Ausdruck zu finden.

  • Sbd. (20 Uhr) und So (19 Uhr) im Ohnsorg-Theater, Große Bleichen 25, Kartentelefon: 35 08 03 21.