Johannes Heesters

"Jopies" Beerdigung und ein Ständchen im Himmel

Ein Leben ohne Musik – für Johannes Heesters unvorstellbar. Bei der Beerdigung des Grandseigneurs der Operette wurde deshalb auch darüber spekuliert, ob er nun im Himmel weitersingen wird. Eine Trauerfeier mit Tränen, aber auch mit dankbarem Lächeln.

München. Weiße Tulpen, weiße Rosen und ein weißer Sarg: Bei der Beerdigung von Johannes Heesters gab es keine düsteren Töne. Sogar der Himmel spielte mit und schickte neben Schneeflocken ein paar Sonnenstrahlen, als der einstige Operetten- und Schauspielstar am Freitag auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt wurde. An Heiligabend war er mit 108 Jahren in Starnberg gestorben. Nun waren Familie, Freunde und Weggefährten gekommen, um „Jopie“ das letzte Geleit zu geben. Mehr als 1000 Fans säumten in einem Spalier den langen Weg der Trauergäste, die von der Aussegnungshalle hinter dem Sarg zum Grab schritten.

Würdevoll und schlicht – so sollte die Trauerfeier auf Wunsch der Familie sein. Und so fehlte auch jeglicher Pomp. Blumengestecke in edlem Weiß und zarten Gelb- und Grüntönen zierten den Sarg. Weiße Rosenblätter bedeckten den Boden in der runden Aussegnungshalle mit der himmelhohen Kuppel. Ein Porträt von Heesters gab es dort nicht, dafür ein Bild seiner Hände, alt, runzlig, in Großaufnahme. In der Ecke ein schwarzes Klavier für die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die bei der Andacht mit ihren Liedern an Heesters erinnern sollten. „Heut geh' ich ins Maxim“ oder „Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne“ – das waren nur zwei seiner vielen Erfolge.

Die Öffentlichkeit war zu der Feier mit rund 200 Gästen nicht zugelassen. Die Fans mussten bis zur Beisetzung warten, um sich von „Jopie“ zu verabschieden. Für die meisten kein Problem. Sie trotzten dem eisigem Wind. „Das ist sein letzter Auftritt, es ist eine Verpflichtung, dass wir dabei sind“, sagte etwa der 61-jährige Kurt Delander, der aus Bonn nach München gereist war. Manfred Weiers aus München verehrt Heesters seit mehr als 40 Jahren. „Ich war fasziniert von seiner Eleganz und seiner schauspielerischen Leistung, ich bin immer noch hin und weg“, schwärmte der 58-Jährige. „Ich hoffe, dass er oben jetzt keinen Unfug macht und die Leute im Himmel betört!“

An guten Wünschen mangelte es dem Jahrhundert-Idol nicht. „Toi, Toi, Toi“ hieß es auf einem der Kränze. Auch Schlagersänger Heino und seine Frau sandten liebe Grüße. Heesters' Witwe Simone Rethel bedankte sich kurz und knapp auf den Bändern des Sarggestecks: „Daaag Jopie – Dein Poppie“. Und der frühere Starnberger Pfarrer Konrad Schreiegg wünschte ihm Frieden. Den romantischsten Gruß schenkte ihm eine seiner beiden Töchter, die Schauspielerin Nicole Heesters, mit dem Gedicht „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff. In dem heißt es am Ende: „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.“

Es war ein Abschied mit Tränen, aber auch Dankbarkeit angesichts eines so langen Lebens, geprägt durch zwei Weltkriege, Wiederaufbau und mehrere Finanzkrisen. Und auch beeinflusst von der Nazi-Zeit, in der Heesters in Deutschland große Erfolge gefeiert hatte, was ihm in seiner niederländischen Heimat großen Ärger bescherte. Doch trotz mancher Kritik – in Deutschland blieb er ein Star, dessen Geburtstage spätestens seit dem 100. alljährlich freudig gefeiert wurden.

Und so stahl sich bei der Beerdigung zwischendurch immer wieder ein Lächeln auf die Gesichter. „Jopie“, da waren sich viele sicher, hätte diese Beerdigung mit Würde und viel Gefühl gefallen, liebte er doch den großen Auftritt, etwa in seiner Paraderolle als „Graf Danilo“ mit Zylinder, Frack und weißem Seidenschal. Auf Erden ist für ihn der letzte Vorhang gefallen. Doch ganz ohne Musik wird es für Heesters wohl auch im Himmel nicht gehen, glaubt zumindest sein Freund, der Schauspieler Thomas Fritsch: „Vielleicht singt er jetzt irgendwo da oben weiter!“