Mit diesem Händel ist es ganz einfach, Herzen zu brechen

Hamburg. Kann einem Sänger, der seine Persönlichkeit im Rampenlicht so bedingungslos entblößt, Besseres und Wahrhaftigeres passieren, als dass man ihm fast zwei Stunden lang jedes Wort glaubt? Kann es Schöneres für ein Publikum geben als die Gewissheit, jede Regung der Seele, jede Färbung der Melodie als wahr, echt und im Moment geboren mitzuempfinden?

Das Konzert des französischen Countertenors Philippe Jaroussky, der mit einem exquisit zusammengestellten Händel-Programm in der Laeiszhalle gastierte, war ein einziger Höhenflug auf der Ideallinie. Musik, die süchtig macht und die einem mit eleganter Leichtigkeit das Herz bricht.

Auf den Pulten des hinreißend stilsicher begleitenden Freiburger Barockorchesters lagen Noten von Händel, fast 300 Jahre alt und mit einer Rhetorik, die schnell museal und verstaubt wirken kann. Doch an diesem Abend war die Musik so frisch, als wäre die Tinte noch nicht trocken; die Affekte der Arien waren so heutig, so unmittelbar, dass man sich ihrer Faszination beim besten Willen nicht entziehen konnte, selbst wenn man das gewollt hätte.

Jaroussky ließ seine Vokalkunst mühelos, charmant und charismatisch glänzen. Aus jeder Kadenz, aus jeder Koloratur machte er ein Erlebnis, so dass sogar die aufs Präzisionsröcheln abonnierten Zuhörer, die ansonsten bei kaum einem Konzert dieses Kalibers fehlen, gepackt verstummten. Jeder im Saal spürte: Besser und schöner als so und nicht anders geht es nicht.