Festival

Viel Theater auf der Fleetinsel

Foto: bergmanngruppe

150 000 Besucher werden erwartet: Heute beginnt das 14. Duckstein-Festival mit Kleinkunst und Akrobatik, Hamburgern und Weltmusik

Fleetinsel. Roger Cicero? "Frauen regier'n die Welt" - na klar! Johannes Oerding? Genau, der junge Lebensabschnittspartner von Ina "Überall" Müller, der so gefühlvoll singen kann ("Erste Wahl"). Und die Männergestalten? Das war doch dieses lustige norddeutsche Kabarettduo mit den Eutermützen auf dem Kopf.

Sie alle sind in den vergangenen Jahren beim Duckstein-Festival - nur Kulturbanausen sagen "Schluckstein" - aufgetreten, manche sogar mehrmals. Kurz bevor sie ihren Durchbruch feierten. Außerdem Stars wie Stefan Gwildis und Gustav Peter Wöhler sowie Hamburger Größen wie Regy Clasen, Dirk Darmstädter und das Retro-Pop-Trio Ruben Cossani. Von Beginn an hatte das Festival auf der Fleetinsel, das seit 2002 dank des Titelsponsors flüssig ist, auch den Anspruch, Perlen zu entdecken. "1998 habe ich das Festival für die 30-Jährigen erfunden", erzählt Leiter Torsten Weis, heute 43. "Jetzt ist es ein Festival für meine Generation, zu dem auch Leute von Ende 20 bis über 60 kommen." 50 Live-Acts haben der Macher und seine Booker für die 14. Auflage engagiert, Stars und Newcomer aus Kleinkunst, Akrobatik, Straßentheater und Musik locken von heute bis zum 31. Juli unter dem Motto "Kunst, Kultur und Kulinarisches" auf die Insel zwischen Fleethof, Hotel Steigenberger, Stadthaus- und Michaelisbrücke. Auf dem Sommerfestival kann es bei erwarteten 150 000 Besuchern an zehn Tagen schon mal eng werden, trotzdem steht die Abwechslung im Mittelpunkt.

Auf der schwimmenden Fleetbühne - aus drei herangeschleppten Pontons errichtet - tritt zum Auftakt heute Abend die brasilianische Musikerin Be auf. Eigentlich heißt sie Betina Ignacio und lebt in Stuttgart; in ihrer Heimat und Europa hat sie als Model gearbeitet. In Hamburg will sie die Besucher auch bei kühleren Temperaturen mit ihrem Mix aus Samba, Bossa nova, Jazz und Reggae erwärmen. "Mistura Natural" heißt ihr zweites Album.

Einen Kontrast dazu bilden heute und morgen auf dem Theaterplatz das niederländische Straßentheater-Duo Pop-up! mit seinem witzigen und rasanten Episodenspiel sowie der jeder Art Publikum gewachsene komisch-chaotische Hamburger Jongleur Jens Ohle. Mit der hohen Kunst der Luftakrobatik am Trapez verzaubern will das deutsch-spanische Duo Supanova zu später Stunde am Sonnabend und Sonntag. The Primitives (ein Belgier und ein Brite) zeigen am Montag und Dienstag in ihrem Programm "Timber", dass nicht nur Handwerk, sondern auch Straßentheater mit Schraubenzieher und Nägeln goldenen Boden hat. Auf dem Theaterplatz tummeln sich von Dienstag bis Donnerstag mit Musik-Comedian Michael Krebs und Jo-Jo-Meister Dennis Schleussner zudem in Hamburg bestens bekannte Kleinkünstler.

Die große (Fleet-)Bühne gehört am Sonntag ab 16.30 Uhr zunächst der neuen Fliegende-Bauten-Produktion "Tango Seducción", ehe mit der Österreicherin Coshiva sowie dem Wahlhamburger Felix Meyer und Band vielversprechende Singer-Songwriter auftreten. Sogar Hit-Potenzial wird Gregor Meyle bescheinigt. Er belegte bei Stefan Raabs Gesangs-Contest 2008 den zweiten Platz und beweist mit seinem aktuellen Album "meylenweit", dass er trotz erster Erfolge noch auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist - zu erleben am Dienstag um 19.30 Uhr. Tags darauf startet die gebürtige Seychelloise Bergitta Victor vom Fleet aus einen interessanten Ausflug in Sachen Weltmusik.

Was beweist: Das Duckstein-Festival ist alles andere als beschränkt - höchstens räumlich. Weis: "In Lübeck sind wir schon dreimal so groß, das geht hier auf der Fleetinsel leider nicht." Außer am Traveufer hat das Hamburger Festival noch in Kiel, Bremen und Binz auf Rügen Ableger gefunden. Und es hat mit Moderator Mick M., einst bekannt als "der einzige Pantomime, der sprechen kann", einen Grenzgänger zwischen den Genres, der die Künstler fast immer selbst im Boot übers Fleet auf die Bühne bringt. Mick M. ist wie Weis von Anfang an dabei.

Wenn das Bandprojekt A Bit On The Side am Sonntag, 31. Juli, das 14. Festival beschließt, können sich die Besucher noch einmal auf Duncan Townsend freuen. Der Wahlhamburger trat im Vorjahr solo auf. Thorsten Weis sagt: "Mich wundert, dass er den Durchbruch noch nicht geschafft hat ..."

Duckstein-Festival Fr 22.7.-So 31.7., Fr 18.00-23.00, Sa 14.00-23.00, So 12.00-22.00, Mo-Do 18.00-22.00, Fleetinsel (U Rödingsmarkt, S Stadthausbrücke), Eintritt frei; Internet: www.duckstein-festival.de