Geburtstag

Jazz- und Klassikpianist Chick Corea wird 70

Foto: dpa

Chick Corea hat eine einzigartige Karriere hinter sich. Sein Hunger auf Inspirationen führte ihn durch alle Welt und viele Sparten der Musik.

New York. Return to Forever war die Band, die Chick Corea in den 1970er Jahren berühmt machte. Der amerikanische Jazzpianist und -komponist fusionierte Jazz, Rock, brasilianische und andere Latino-Elemente, nahm sogar Anleihen bei Musicals und erntete viel Applaus. Die eigene Begeisterung hielt nicht so lange an. Fast vier Jahrzehnte später kehrte der ruhelose Geist jetzt zu seinen Anfängen zurück: Er und zwei seiner Mitstreiter von damals, Stanley Clarke und Lenny White, brachten Return to Forever zurück ins Leben. Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag am 12. Juni bringt Corea die Doppel-CD „Return“ von der letzten Tournee der alten neuen Band bei seinem eigenen Label heraus.

Musik versetzt den gefeierten Pianisten seit Kindesbeinen in Rausch. Er ist bekannt dafür, dass er nach einem gelungenen Konzert oft stundenlang allein weiterspielt. Chick (eigentlich Armando Anthony) Corea, kam als Sohn eines Trompeters und Bassisten in Chelsea (US-Bundesstaat Massachusetts) zur Welt. Er wuchs zwischen den Schallplatten von Dizzy Gillespie und Sarah Vaughan auf. Schon mit vier Jahren klimperte er auf dem Klavier, vom achten Lebensjahr an kam Schlagzeug hinzu. Von dem Bostoner Konzertpianisten Salvatore Sullo bekam er Unterricht in klassischer Musik.

Nach der Schule, gerade 18-jährig, ging Corea nach New York und stand schon bald mit Größen wie Blue Mitchell auf der Bühne. In den darauffolgenden Jahren übte er sich mit Miles Davis im Free Jazz, spielte Bebop und trat an der Seite seiner Kinderidole Vaughan, Gillespie und Roy Haynes auf. Kritiker und Leser des international renommierten Jazzblattes „Downbeat“ wählten ihn Dutzende Male auf Platz eins: als Komponist, Pianist, Bandleader und in der Kategorie „bestes Album“.

Als Bandleader und Solist hatte Corea bis zum vergangenen Jahr bereits über 100 Alben herausgebracht. Viele seiner Kompositionen, darunter „Spain“, „La Fiesta“, „What Games Shall We Play Today“ und „Spanish Song“ wurden ins gängige Jazz-Repertoire aufgenommen. In Deutschland ist Corea ständig zu Gast. 2006 wurde er mit dem Ehrenpreis des Klavier Festivals Ruhr ausgezeichnet und spielte zum Dank ein Klavierkonzert von Mozart sowie in deutscher Erstaufführung sein eigenes Klavier-Konzert Nr. 2. 2008 kam er zu den Leverkusener Jazztagen und im Jahr darauf zum Ingolstädter Jazzfest.

Ärger handelte ihm in den 1990er Jahren seine Zugehörigkeit zu der „Church of Scientology“-Sekte ein. Die baden-württembergische Landesregierung lehnte 1993 seinen Auftritt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Stuttgart ab. Corea zog vor Gericht und erhob Klage gegen die „Verletzung (seiner) Menschenrechte“, wurde aber vom Gericht abgewiesen.

Außer für Return to Forever und seine Auftritte als Klassiker stellt sich Corea dieser Tage noch für seine neu gegründete „Five Peace Band“ zur Verfügung. Ihr gehören der Miles-Davis-Gitarrist John McLaughlin, der Saxofonist Kenny Garrett, Bassist Christian McBride und Drummer Vinnie Colaiuta an. Mit Garrett, McBride und Roy Haynes trat der nimmermüde Pianist 2010 auch als „Freedom Band“ auf.