Bei dieser grandiosen Stimme schweben nicht nur Luftballons

Lisa Bassenge und Jacky Terrasson überzeugten auf Kampnagel

Hamburg. Die Ballons dürfen nicht fehlen. Das Markenzeichen von Lisa Bassenges Albumcover zu "Nur fort" schwebt, an Schnüren am Boden befestigt, über dem Schlagzeug und ist so sichtbarer Farbtupfer auf der sonst recht nüchternen Kampnagel-Bühne. Auch ihre schlanken Beine präsentiert die Berliner Jazzsängerin ihrem Publikum im fast ausverkauften Saal. Doch diese Äußerlichkeiten werden mit dem ersten Ton zur Nebensache. Mit klug ausgewählten Songs und ihrer klaren Stimme zieht Bassenge das Publikum in den Bann. Wie sie das Tempo verschleppt, bewusst Pausen setzt und die Lieder anderer Künstler völlig neu interpretiert, ist grandios. Ihre Version von Joachim Witts "Kosmetik" ist witziger als das Original, Udo Lindenbergs "Leider nur ein Vakuum" trifft bei ihr tiefer und Rio Reisers "Junimond" wird in Bassenges total entschleunigter Version zur definitiven Interpretation dieses gern gecoverten Songs.

Doch der starke Auftritt der deutschen Sängerin und ihrer perfekt harmonierenden Band ist nur der erste Teil eines mehr als lohnenden Konzertabends. Nach der Pause betritt das Trio des französischen Pianisten Jacky Terrasson die Bühne und macht schnell deutlich, dass es zur Weltklasse des zeitgenössischen Jazz gehört. Unverständlich, dass viele Zuhörer schon während der ersten, 20 Minuten langen Komposition gehen und sich nicht auf die filigranen Improvisationen dieser drei Virtuosen einlassen.

Dabei wäre ihnen später einiges bekannt vorgekommen: Terrasson benutzt Filmmusik aus "Harry Potter", Michael Jacksons "Beat It" und den Jazz-Standard "Smoke Gets In Your Eyes", um daraus ein irrwitziges Medley zu bauen und die Originale auf spielerische Arten zu rhythmisieren und zu verfremden. Ein weiterer Höhepunkt: seine Bearbeitung von Duke Ellingtons "Caravan". Im Intro zeigt Terrasson, dass ein Klavier nicht zwangsläufig ein Tasteninstrument sein muss. Man kann es auch als Trommel benutzen.