Punkrock pur - gegen das System und für St. Pauli

Hamburg. Ein Slime-Konzert, das ist wie eine Zeitreise, ein kollektives Erinnern an Jahre des radikalen Protests, an brennende Barrikaden und klar definierte Feindbilder. Schon die Titel der Songs: "Wir wollen keine Bullenschweine", "Legal, illegal, scheißegal", "Deutschland muss sterben!" - für Zwischentöne war Anfang der Achtziger kein Platz.

Und auch wenn sich das Gros der Besucher in der seit Monaten ausverkauften Markthalle inzwischen mit dem System arrangiert haben dürfte oder zumindest so etwas wie Waffenstillstand herrscht: Textsicher wird am späten Sonnabend jeder Agitprop-Kracher der längst legendären Hamburger Punk-Legende mitgesungen, darunter das der GAL gewidmete "Linke Spießer" und das zum St.-Pauli-Bekenntnis erklärte "Gewinnen werden immer wir". Überhaupt St. Pauli: Sehr viele Fans tragen T-Shirts oder Trikots des Klubs, und so richtig knüppelvoll wird die Markthalle erst nach dem Abpfiff am Millerntor. Dass Slime vor knapp 30 Jahren mit "Block E" einen HSV-Song aufgenommen hat, spielt an diesem nostalgischen Abend keine Rolle. Man kann sich ja mal irren ...