Docks: MGMT

Definitiv kein Fall für das Lexikon der Jugendsprache

Foto: Sony Music

Mal wie die Beatles in einer Quentin-Tarantino-Version, mal wie eine Folk-Band: MGMT zelebrierten im ausverkauften Docks den Wandel.

Hamburg. "Ey, die sind voll lahm", beschweren sich ein paar Indie-"Kids", die beim ausverkauften MGMT-Konzert im Docks vor allem "Kids" und andere Hit-Singles des Erfolgsalbums "Oracular Spectacular" hören wollen. Sie warten auf elektronische Sounds, auf die Stücke, mit denen sie die unbeschwerten Abende verbinden, bei denen sie heimlich Gras in der Klubecke rauchen und sich gegenseitig die bunten Stirnbänder aus den Haaren klauen.

Stattdessen wird aus "Electric Feel" eine relaxte Soul-Nummer, "Time To Pretend" verliert sich ein bisschen im Noise-Rock und "Kids" ist durchsetzt von Gitarrensoli. Überhaupt: Einige Stücke klingen wie die Beatles in einer Quentin-Tarantino-Version, mit sägenden Surf-Gitarren und Harmonie-Gesang, mal mutet MGMT wie eine New Yorker Folk-Band an, in anderen Stücken setzt schwerer Psychedelic-Rock ein, der gut zu den knallbunten Animationen auf der Bühne passt. Hypnotisch laufen Farben und Muster ineinander, bewegen sich Silhouetten ausschweifend zur Musik des hippiesken Gründer-Duos Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser.

Beim gründlichen Hören des aktuellen MGMT-Albums "Congratulations" hätte man schon darauf kommen können, dass die Frontmänner nicht mehr auf den Chart-Erfolg schielen, denn eine Single wie das zwölf Minuten lange monolithische "Siberian Breaks" spricht eine andere Sprache.

Die Sprache der Zugabe in Hamburg zum Beispiel, bei der es anstelle stumpfer Hit-Anbiederung eine ausufernde Jamsession gibt. Zugegeben, dies ist keine Jugendsprache mehr, aber eine zeitlose.