Bibliotheken fürchten um ihre Funktionsfähigkeit

Weimar. Der Deutsche Bibliotheksverband macht gegen die schleichende Aushöhlung der Bibliotheken mobil. Zwei Drittel aller kommunalen Büchereien seien von Einsparungen betroffen, sagte die Verbandsvorsitzende Monika Ziller am Donnerstag in Weimar. Allein 20 Prozent der hauptamtlich geführten Einrichtungen müssten seit dem Frühjahr mit Haushaltssperren arbeiten. In Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern seien es sogar 40 Prozent aller Einrichtungen.

Die 10 855 Bibliotheken in Deutschland würden "als Sparschwein für öffentliche Haushalte genutzt", beklagte Ziller. Dabei seien Bibliotheken mit jährlich 200 Millionen Besuchen das wichtigste Bildungs- und Kulturmedium überhaupt - trotz aller Unkenrufe, dass das Internet der Tod der Bibliotheken sei. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Entleihungen um 22 Prozent, doch gleichzeitig seien die Öffnungszeiten reduziert worden.

Erstmals legte der Verband den "Bericht zur Lage der Bibliotheken in Deutschland" vor. Sechs Jahre nach dem verheerenden Feuer in Weimar mit verbrannten Büchern und Kunstwerken drohten Deutschland durch die Sparpolitik Verluste anderer Art, klagt das Bündnis. 43 Prozent der hauptamtlich betriebenen Einrichtungen seien Budgets gekürzt worden oder es stehe eine Kürzung an. 28 Prozent seien zur Gebührenerhöhung "verdonnert" worden, sagte Vorsitzende Ziller. Sie ist Leiterin der Stadtbibliothek in Heilbronn.

Weitere Ergebnisse des Bibliotheken-Berichtes: Acht Prozent müssen Öffnungszeiten, knapp ein Viertel die Veranstaltungen reduzieren. 20 Bibliotheken melden die Schließung von Abteilungen oder Nebenstellen. Bei ehrenamtlich betreuten Einrichtungen sehe es noch düsterer aus.

Es drohe eine flächendeckende Unterversorgung, warnten die Bibliothekare. Zur Schieflage trage auch bei, dass nur jede dritte Bibliothek regelmäßig ihren Medienbestand erneuern könne. Deutschland gebe pro Kopf und Jahr im Schnitt 8,21 Euro für öffentliche Bibliotheken aus, in Finnland sind es 54,55 Euro, in den USA etwa 27 Euro.