24. Münchner Medientage

Döpfner kritisiert Gratiskultur der Öffentlich-Rechtlichen im Netz

| Lesedauer: 3 Minuten
Torsten Landsberg und Jörg Säuberlich

Zur Eröffnung sprach neben Springer-Vorstand Döpfner auch Horst Seehofer. Der Ministerpräsident betonte die Bedeutung von Informationen im TV.

München. Zum Auftakt der 24. Münchner Medientage hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Fernsehsender vor einer Vernachlässigung der Information der Bürger gewarnt. Seehofer sagte am Mittwoch, Nachrichten müssten auch in den Privatsendern Programmbestandteil bleiben. Unterdessen bahnt sich zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichem Rundfunk eine Annäherung in der Frage an, wie eine Wettbewerbsverzerrung in der digitalen Medienwelt möglichst gering gehalten werden kann.

Seehofer wandte sich mit seiner Rede nicht nur an die Privatsender, sondern auch an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser müsse „intensiver versuchen“, junge Menschen nicht nur mit Unterhaltung zu erreichen, sondern auch mit zeitgemäßen Informationen. Die Chance des öffentlich-rechtlichen Rundfunks liege nicht in der Quantität, sondern in der Qualität.

Döpfner fordert Extra-Gebühren für Digitalangebote der Öffentlich-Rechtlichen

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, gab anschließend in einer Keynote einen optimistischen Ausblick ins digitale Zeitalter der Medien. „Wir stehen am Beginn einer großen Evolution und Revolution“, sagte Döpfner. Die Digitalisierung bringe gravierende Veränderungen, neue Formen der Kommunikation und zivilisatorische Entwicklungen mit sich.

Als Gefahr bezeichnete er die Gratiskultur im Internet. „An diesem Problem sind wir maßgeblich Schuld“, sagte Döpfner. Die Verlage hätten Inhalte in den vergangenen 15 Jahren kostenlos als Marketing angeboten. Dies zu ändern sei schwer, „aber nicht unmöglich“. Insbesondere bei mobilen Geräten seien die Menschen daran gewöhnt, für die Nutzung von Dienstleistungen zu zahlen. „Die Zeitung und die Zeitschrift der Zukunft sind Smartphones und Tablets“, sagte Döpfner.

Von den öffentlich-rechtlichen Sendern, die von den Verlegern wegen printähnlicher Berichterstattung im Internet kritisiert werden, forderte der Springer-Vorstand, für neue Angebote wie Apps zusätzliche Gebühren von den Nutzern zu verlangen. Die digitalen Inhalte von ARD und ZDF dürften nicht über die bestehende Rundfunkgebühr finanziert werden. Kostenlose Angebote der Öffentlich-Rechtlichen ruinierten „die Basis für ein künftiges Geschäftsmodell der privaten Anbieter in der digitalen Welt“.

Kostenlose Apps bei ARD keine Ideologie

Die Vertreter von ARD und ZDF reagierten bei einer anschließenden Podiumsdiskussion offen auf Döpfners Einwurf. Es sei keine Ideologie, Angebote wie Apps kostenlos anzubieten, sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust. Zwar gebe es die „Tagesschau“-App kostenlos, für andere Angebote würden künftig aber auch zusätzliche Entgelte fällig.

ZDF-Intendant Markus Schächter sagte, Döpfners „Grundlage gefällt mir gut“. Die Öffentlich-Rechtlichen spielten im Internet im Vergleich etwa mit „Spiegel Online“ keine große Rolle, daher sei es sinnvoll, „Schlachten von gestern“ zu vergessen und stattdessen über Inhalte und Qualität zu sprechen.

Döpfner hatte auch gefordert, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in allen Bereichen auf Werbung verzichten und sich ausschließlich über Gebühren finanzieren sollen. Seehofer sagte, er sei „explizit dafür“ und bezeichnete Werbefreiheit als mögliches Qualitätsmerkmal. Bei den Beratungen zum 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag sei es zunächst aber um die Gebührenstabilität gegangen, die mit der künftigen Haushaltsabgabe erreicht werde.

Der Präsident vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Jürgen Doetz, wollte die von seinem Verband seit langem geforderte Werbefreiheit der Öffentlich-Rechtlichen nicht wiederholen. Die Argumente seien bekannt. Stattdessen wandte sich Doetz an Seehofer, der bei diesem Thema als Ministerpräsident die Möglichkeit zum Handeln verspielt habe: „Sie müssten's langsam kapiert haben.“