Hip-Hop: Dendemann

Stumpf ist Trumpf, aber wenn ja, warum?

Foto: Four Music

Große Reimkunst, bei Dendemann wirkt sie noch. Am 5. Oktober kommt der Rapper mit seiner Band wieder in die Fabrik, um "Tierisch" abzugehen.

Er ist ein Überlebender. Einer, der schon vor zehn Jahren für intelligenten Sprachwitz stand. Der bei den sogenannten "Flash"-Konzerten im Stadtpark und im Millerntor-Stadion von Zehntausenden von jungen Hip-Hop-Anhängern gefeiert wurde. Damals war Daniel Ebel zusammen mit DJ Rabauke als Eins, Zwo unterwegs, jetzt prangt seine Künstlername Dendemann allein auf Tourplakaten und Alben. Während Jan Delay eine Auszeit vom Rap genommen und sich bei Reggae und Funk getummelt hat, Fettes Brot mit allen möglichen Stilen spielen, Dynamite Deluxe und Fünf Sterne Deluxe gar nicht mehr existieren, Samy vor allem karitativ arbeitet und Das Bo in der Bedeutungslosigkeit untergegangen ist, hält nur noch Dendemann die Hamburger Hip-Hop-Fahne aufrecht.

Eine Band hat der Rapper sich inzwischen allerdings auch zugelegt, weil die musikalischen Möglichkeiten doch erheblich größer sind, als wenn nur ein DJ die Beats von zwei Turntables einspielt. Dendemann favorisiert mehr Gitarre als Bläser, Rock liegt ihm im Moment näher als alle anderen Spielarten. "Und wenn ja warum" und "V.N.D." von seinem aktuellen Album "Vom Vintage verweht" sind zwei Beispiele für den Einsatz von fetten Gitarren-Riffs in seinem musikalisches Konzept.

In seinen Texten hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht sehr viel geändert. Dendemann ist immer noch der Geschichtenerzähler, der seine Umwelt sehr genau betrachtet und diese Beobachtungen in pointierte Reime umwandeln kann. Das übrigens auf nie absinkendem Niveau. Auf "Vom Vintage verweht" reflektiert er seine eigene Situation in "Nesthocker", er prangert in "Stumpf ist Trumpf" die desolate Situation des deutschen Hip-Hop an, er bekennt sich zur analogen Welt ("O Robota", "I'm A Record Junkie und zurück"), zeigt in "Tierisch", was man mit Sprichwörtern alles anstellen kann, und gibt in "Es geht bergab" einen wenig optimistischen Kommentar zur Lage der Gesellschaft ab. Schade, dass es in Deutschland nicht mehr Rapper mit Dendemanns Qualitäten gibt, gut immerhin, dass wenigstens der in Hamburg lebende Schnellsprecher die Reimkunst hoch hält.

Dendemann Di 5.10., 21.00, Fabrik (S Altona), Barnerstraße 36, Karten zu 24,- im Vorverkauf; www.dendemann.de