Lieben Sie Hamburg?

Geklärte und ungeklärte Phänomene

Sachen gibt's, da weiß keiner, wieso es so weit kommen musste, wer damit angefangen hat und warum es dann alle machen.

Teelichter erst ins Glas und dann in Brötchentüten auf den Tisch stellen zum Beispiel, oder karierte Bermudashorts tragen (weia). Oder die Bierpullen-Attitüde; wie einst magersüchtige Models ihre Evian-Fläschchen spazieren trugen, ist es nun das bonbonaromatisierte Bräu, das der moderne Ausgeher als Accessoire lässig mit sich führt. Herrenhandtasche fürs große Nuckelbaby.

Oder das mit dem "Holen": Kaum ein Mensch kauft sich noch etwas, nein, es wird sich geholt, das Auto, das iPhone, das Bier. Wann ist Kaufen bloß peinlich geworden? Hallo? Genau, wer hat eigentlich das erste Mal diese Empörungsphrase "Ich mein - hallooo?" auf jene spezielle Weise betont, die impliziert: "Merkt der noch was, dieser Hirnpürierte? Hach, was bin ich echauffiert!" Oder bestimmt, dass gebürtige Hamburger links rum um die Alster joggen und die Quiddjes anders herum (oder war's anders herum)?

Geklärt jedenfalls ist das Phänomen, warum im Elbtunnel immer Stau ist, vor allem dienstags. Erstens wegen des Erst-Tunnelers, der noch nie unter Wasser gefahren ist. Der bremst vorsichtshalber, der röhrengeübte Fahrer dahinter - weil er dem Vorfahrer vor Ungeduld fast im Kofferraum hängt - auch, und jene, die das doppelte Rotlicht weiter hinten sehen, sowieso. Zweitens wird die Steigung nach dem tiefsten Punkt kollektiv vergessen ("Pendler-Amnesie"), der Blech-Schwarm erlahmt am Unterwasserberg, ergibt ebenfalls einen prima Rückstau. Drittens ist dienstags überall Stau, das ist hanseatische Tradition, und die wird gepflegt.

Ach, der Mensch ist schon ein lieber, aber komischer Fisch.

Phänomenta Flensburg prima Ausflugsziel für die Herbstferien, z. B. Die lange Nacht der Forscher, Fr 8.10., ab 18.00, Norderstraße 157-163, Flensburg; Infos im Internet: www.phaenomenta.com/flensburg/