Actionthriller

The American: Eine Art Abruzzen-Western

Anton Corbijn hat George Clooney als "The American" in Szene gesetzt

Nur einen Auftrag noch will Killer Jack (George Clooney) ausführen, dann soll für ihn nach einem langen und erfolgreichen Berufsleben endlich Schluss sein. Der letzte Einsatz in Schweden verlief suboptimal und liegt Jack noch schwer im Magen. Also bereitet er sich in aller Ruhe auf seinen nächsten Coup vor und wählt dazu ein verschlafenes Dorf in den Abruzzen.

Seinen Wunsch nach Zurückgezogenheit respektiert Pfarrer Benedetto (Paolo Bonacelli), aber nur teilweise. Der Mann hat schließlich eine Mission und, wie man später erfährt, auch eine vielschichtige Vergangenheit. Jacks Auftraggeberin Mathilde (Thekla Reuten) ist eine kühle und undurchsichtige Schöne. Kompliziert wird es, als Jack zu der Prostituierten Clara (Violenta Placido) mehr empfindet als die klassische Kundenbeziehung. Der diffizilen emotionalen Situation entspricht die Gefährlichkeit von Jacks Auftrag. Und ein Killer, der sich viele Sinnfragen stellt, ist nicht nur für sein potenzielles Opfer gefährlich.

"A Very Private Gentleman" hieß die Romanvorlage von Martin Booth für "The American", bevor sie jetzt unter dem Filmtitel neu erscheinen ist. Der Regisseur, Starfotograf Anton Corbijn, nahm sich einige Freiheiten damit und zeigt sich in seinem zweiten Film von einer ganz anderen Seite als bei seinem gefeierten Debüt "Control".

Noch nie sah man George Clooney so alt und mürrisch wie hier. Aber auch das kann er. Nur setzt der Regisseur zu sehr auf die Ausstrahlungskraft seines Hauptdarstellers. Der einsame und zweifelnde Rächer, den Clooney hier gibt, scheint aus einem anderen Genre zu stammen. Aber Corbijn genügt es nicht, eine Art Abruzzen-Western zu drehen, er muss auch noch eine Szene aus "Spiel mir das Lied vom Tod" im TV zeigen, die Titelmelodie anspielen und den Namen Sergio Leone im Dialog erwähnen. Das ist zu viel des Guten.

Sehr sinnlich hat Kameramann Martin Ruhe die raue Schönheit der italienischen Landschaft, Frauen und Waffen ins Bild gerückt, wobei die weiblichen Charaktere mehr Tiefgang vertragen hätten. Vielleicht gelingt es Corbijn ja in seinem nächsten Film, den er bereits vorbereitet, seinen Freund Herbert Grönemeyer zu einer größeren Rolle zu überreden. In "Control" hatte er einen Cameo-Auftritt, für "The American" hat er die Musik geschrieben.

Beurteilung: annehmbar The American USA 2010, 99 Min., ab 12 J., R: Anton Corbijn, D: George Clooney, Violante Placido, Thekla Reuten, im Abaton (OmU), Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Streit's (OF), UCI Mundsburg, Othmarschen-Park, Smart-City; www.theamerican.de