Bundespräsidenten müssen die Wahrheit sagen

Christian Wulff gratuliert Didi Hallervorden zu dessen 75. Geburtstag

Berlin. "Nachhilfe" für das Staatsoberhaupt in schwierigen Fragen von unerwarteter Seite: Bundespräsident Christian Wulff hat die sich selbst auferlegte "Denkpause" im Fall Thilo Sarrazin genutzt, um sich erst einmal kabarettistischen Rat zu holen. Anlass war am Samstag das 10. Kleinkunstfestival der Berliner "Wühlmäuse", bei dem ihr Chef Dieter "Didi" Hallervorden gleichzeitig in seinen 75. Geburtstag hineinfeierte. Dort stellte Moderator Dieter Nuhr den Comedian Kaya Yanar ("Was guckst du?") vor, der als Erster die "deutsch-ethno-Comedy" eingeführt habe, "weit vor Sarrazin".

Der habe ja bekanntermaßen vor einer "Verdummung der Gesellschaft" gewarnt - "die Frage ist nur, ob Sarrazin nun derjenige ist, der gewarnt hat, oder ob er schon das Ergebnis ist". Yanar sieht sich selbst als "voll integrierten Türken, entweder Anstalt oder Komiker". Und in seiner Familie sei es auch kunterbunt zugegangen: "Ich war evangelisch, mein Bruder Katholik, meine Mutter Muslimin, und meinem Vater war alles scheißegal."

Um Mitternacht betrat nach dem vierstündigen und vom RBB live übertragenen Kleinkunstfestival Bundespräsident Wulff die Bühne, um zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem gesamten Ensemble Hallervorden ("Nonstop Nonsens") für sein "wirklich eindrucksvolles Lebenswerk" zu gratulieren, "und Bundespräsidenten müssen die Wahrheit sagen". Wulff erinnerte an die zahlreichen Rollen Hallervordens auf der Bühne, der Leinwand und dem Bildschirm.