Mach Schauer!

Beim Konzert der US-Punker Blink 182 auf der Bahrenfelder Trabrennbahn störte nicht einmal der Regen die 15 000 Fans

Hamburg. "Ich war dieses Jahr schon auf sechs Festivals", verkündet eine junge Frau im Busshuttle zur Bahrenfelder Trabrennbahn und zeigt stolz Armbänder vom Hurricane-Festival, Highfield, Wacken, Dockville und anderen Musik-Spektakeln. Auch im Bus herrscht Festival-Atmosphäre: Bei jeder Bremsung kullern Flaschen und Dosen durch den beengten Mittelgang und an der Endhaltestelle aus den Türen.

Unter "Hamburger Kultursommer" ( www.hamburgerkultursommer.de ), so der Name der Reihe von vier Konzerten in der Westkurve der Trabrennbahn, hat sich der Busfahrer sicher etwas anderes vorgestellt als die 15 000 Besucher des Auftaktes mit den kalifornischen Pop-Punkern Blink 182. So erinnert auch das Areal mit seiner großen Bühne, Fanartikelständen sowie Futter- und Bierbuden eher an ein Mini-Hurricane. Passend dazu hält ein Besucher schon bei den Vorbands All Time Low und Thrice (die sich mit "Helter Skelter" vor den Beatles verbeugen) einen Schlafsack hoch. Vielleicht hat er am Eingang campiert, denn Blink 182 hat lange auf sich warten lassen.

2001 landeten die San-Diego-Boys Tom DeLonge, Mark Hoppus und Travis Barker mit dem vierten Album, "Take Off Your Pants And Jacket", einen Riesenhit - Platz eins in den USA und Deutschland. Die Alsterdorfer Sporthalle war im Januar 2002 schon gebucht, ein Bandscheibenvorfall DeLonges ließ den Termin platzen.

Dann sah es so aus, als würden sie nie kommen. 2005 trennte sich Blink 182 im Streit, drei Jahre später überlebte Schlagzeuger Barker einen Flugzeugabsturz nur mit schweren Verletzungen. Immerhin war das einer der Gründe für die Versöhnung 2009.

Verändert hat sich nicht viel bei Blink 182. 90 Minuten lang hetzt das Trio von Punk-Partykracher zu Pop-Hymne. Der hörbare Unterschied zwischen "Dumpweed", "Feeling This" oder "What's My Age Again" liegt nur im Detail - "All The Small Things".

Aber das macht an diesem Abend nichts. Der Pogo tobt, die Meute hüpft, die Band überschüttet sich gegenseitig mit pubertären Obszönitäten (die Herren sind 34 und älter) und die Fans mit Lob. Und das hat sich der Blink-Anhang redlich verdient. Bei "Down" beginnt es wie aus Eimern zu gießen, Sturmböen zerren an den Aufbauten. Trotzdem geht bei "Don't Leave Me" die Feier weiter, dreht sich das "Carousel" bis zum zugabenlosen Ende. Ein wildes, kompaktes und unterhaltsames Mini-Hurricane, fürwahr. Gerne wieder.