Ragtime, Rumba, Chopin - alles unter Kontrolle

SHMF: Das Leszek Mozdzer Trio gastierte auf Kampnagel

Hamburg. Es ist Chopin-Jahr. Man merkt das unter anderem daran, dass plötzlich eine Vielzahl von Jazzadaptionen des polnischen Komponisten auf den Markt kommt. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals gastierte am Donnerstag Leszek Mozdzer mit Trio auf Kampnagel. Allein, der Überflieger des polnischen Jazzpianos klang so wenig nach Chopin wie selten.

In seinem Heimatland gibt es seit Andrzej Jagodzinskis Chopin-Adaptionen Anfang der 90er-Jahre eine regelrechte "Chopinjazzschule", aus der auch Mozdzer hervorging. Auf eine ganz selbstverständliche Art verbindet der 39-Jährige Ragtime und Rumba mit Chopin und Schönem in seinem Improvisationskonzept.

Auch auf Kampnagel ließ er seinen feinen Anschlag perlen, technisch perfekt, aber eben auch recht "clean", wie der Jazzer sagt, sauber; Schweiß und Schmutz sucht man vergebens. Auch sein langjähriger Mitmusiker, der schwedische Kontrabassist und Cellist Lars Danielsson, pflegt bei aller Funkyness und gelegentlichen Intonationsproblemchen das kontrollierte Spiel.

Zum Star des Abends wurde daher Zohar Fresco. Was der jüdisch-türkische Perkussionist mit einer Hand aus einer Rahmentrommel an Rhythmen herausholt, schaffen viele Schlagzeuger nicht mal mit vier Extremitäten. Zohar ist derjenige, der das Trio aufmotzt, einerseits verhindert, dass Mozdzer sich in endlosen Perlenketten aneinandergereihter Töne verliert, Danielsson andererseits aber ständig unter Feuer nimmt und fordert. Er ist es auch, der das Programm prägt mit den langen Rhythmusketten über häufig ungeraden Metren; eine kurzweilige Kombination dreier Ausnahmemusiker.