Konzert von Prince

Kleiner Rocker mit großem Auftritt: Prince in Berlin

Das einzige Deutschlandkonzert seiner Europatournee auf der Berliner Waldbühne war zwar kein voller Erfolg - aber trotzdem umwerfend.

Berlin. Er kann es noch, hat nichts verlernt. Mit 52, in einem Alter, in dem andere Stars von früher sich schon geruhsam ins Balladen-Seniorenstift abmelden, ist Prince immer noch der alte, technisch versierte Funk- und Soul-Schlawiner, der nichts anbrennen lässt. Bei seinem einzigen Deutschlandkonzert auf der bei weitem nicht ausverkauften Berliner Waldbühne (offiziell: 15.000 Besucher) räumte der große Kleine aus Minneapolis ab, als käme er frisch aufgetaut aus seinem Paisley-Park-Alhambra. Gitarrensoli zum Niederkien, ein Timing, für das andere ihre Oma verkaufen würden und sollten.

Wie es sich für einen Künstler mit seinem Werkkatalog gehört, begann die Show mit einigen extra-alten Krachern (weniger als knapp zwei Jahrzehnte hat kaum einer seiner großen Hits auf der Uhr), enthemmte Hausfrauen in Hängekleidchen tanzten sich in den Aufgängen zu den Sitzblöcken bei "Let's Go Crazy" und "Glamourous Life" die Cellulite aus den Oberschenkeln, während Prince und seine exquisite Band von Anfang an die ideale Betriebstemperatur erreicht hatten.

Der weitere Verlauf des Abends brachte vieles, aber bei weitem nicht alles, was der gereifte Prince-Fan endlich wieder mal live hören wollte. Vorbei die Zeit der wahnwitzigen Bühnenshows mit Lotterbett-Szenarien und anderem Augenpulver. Prince und sonst kaum etwas war hier die sehr verbindliche Ansage. Sheila E., das rührige Percussion-Springteufelchen, bekam einige Solo-Einlagen überlasen, ansonsten drehte und bezog sich alles auf das Mastermind in seinem weißen Zenmeister-Anzug. Der leicht deplaziert wirkende "Heal the World"-Moment, als eine Gruppe tanzender Besucher zum Kollektivhopsen mit auf die Bühne durfte, hatte bald ein Ende. Dann war wieder der Meister selbst dran. Zwischendurch einige Titel aus den Spätwerk-Alben des letzten Jahres, ein großartiges "Nothing Compares 2 U" und eine scharfe, funky Coverversion von "Le Freak", bevor die letzte große Zugabe in lila kam: "Purple Rain". Was sonst. Gelernt ist gelernt.