Lieben Sie Hamburg?

Adirondacking im Hummelstuhl

Das Hamburger Sommerrezept für eine kleine Flucht aus allem, was den Sinnen wehtut, geht so: Man gehe (nicht zu hastig) zu einer Park- oder Alsterwiese, ziehe die Schuhe aus und wandele barfuß übers Streichelgras. An geeigneter Stelle wird ein freier Hummelstuhl okkupiert, mit vorfreudiger Kraftaufwendung (den Hintern in der Höh wie Omama beim Jäten) hin- und hergeruckelt, bis weder Sonne noch Schatten stören. Hineingleiten. Ausatmen. Augen schließen und die Sonnenwärme durch die Adern kriechen lassen. Und die nächste Stunde (oder zwei) nicht mehr aufstehen! Erst werden die Gedanken ganz laut. Dann beginnen sie, sich zu verwirbeln. Einer fernen Brandung gleich, rauscht die Großstadt um diese Insel auf vier kurzen Holzbeinen, den Thron für Ein-Personen-Königreiche, den es so nur hier gibt.

1953 hatte jemand eine gute Idee für Menschen, die allein sein wollen, aber nicht einsam; und denen eine montierte Parkbank zu unbequem und zu teilbar ist, um die Seele auszuruhen. In jenem Jahr, zur Internationalen Gartenbauausstellung, wurden die ersten, je 18 Kilo schweren Hamburger Parksessel, eine leicht modifizierte Form der amerikanischen Adirondack-Chairs, in Planten un Blomen aufgestellt; später auf den Alsterwiesen, im Jenischpark, auf den Mittelmeerterrassen. Und wie vieles, auf das der Hamburger stolz ist und als sein Eigen betrachtet, einen Kosenamen bekommt, wird der "Hamburger Parksessel" liebevoll Hummelstuhl genannt.

Für mich ist er ein Symbol des Sommers. Er verführt zum Zurücklehnen, zu Gedanken, die in eckigen Zimmern nie kommen; in einem Hummelstuhl erinnere ich mich immer wieder daran, was Leben eigentlich ist.

Die Natur der Stadt: Atmosphären der Stadt Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Hasse (Humangeografie, z. B. "Fundsachen der Sinne"), Do 24.6., 19.00-21.00, Hamburgmuseum (U St. Pauli, Bus 112), Holstenwall 24, Eintritt frei; Infos im Internet unter www.hamburgmuseum.de