Theater in Hamburg

"Zusammen ist man weniger allein" – Premiere in Altona

Foto: Jochen Quast

Anna Gavaldas Bestsellerroman um eine streitbare Pariser Vierer-WG zunächst textlastig und blutarm, dann aber spielfreudig auf der Bühne.

Hamburg. Den stacheligen Panzer der eigenen verletzten Seele verlassen, hinter dem aggressiven oder bizarren Verhalten der Anderen den wahren, guten Kern erkennen und einander in Mitmenschlichkeit, Freundschaft und auch Liebe verbinden: So sieht er aus, der oft hürdenreiche Weg zum Glück, den die Französin Anna Gavalda in ihrem Bestsellerroman "Zusammen ist man weniger allein" (2004) mit komischem Ernst beschrieben hat. Zum Kassenschlager geriet 2007 auch die Verfilmung durch Claude Berri mit Kinostar Audrey Tautou in der Hauptrolle.

In einer gut zweistündigen Bühnenversion kommt die Botschaft gegen die Ego-Kälte der modernen Gesellschaft jetzt am Altonaer Theater in Hamburg gut an: Im ausverkauften privaten Haus bejubelte am Sonntagabend das Publikum Harald Weilers unterhaltsame Inszenierung der 2010 in Kempten uraufgeführten Fassung von Anna Bechstein. Im heruntergekommenen Ambiente eines Pariser Aristokratenappartements (Ausstattung: Anja Hertkorn) entwickelt Weiler – zunächst etwas textlastig und blutarm, dann immer spielfreudiger – das Kammerspiel einer höchst heterogenen und streitbaren Vierer-WG.

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Alle vier Verlierertypen müssen sich häuten, Respekt, Toleranz und Hilfsbereitschaft beweisen, bevor es für sie zum glücklichen Ende kommt. In Altona sind es vor allem die Männer, die ihren Figuren markante Züge geben: Andreas Christ als prolliger, fluchender und sexsüchtiger Koch mit Herz für seine demente Oma und Karsten Kramer als schüchterner, stotternder Adelsspross und großzügiger Wohnungsinhaber. In ihrer kleineren Rolle als vom Leben geschlagener, doch lebensvoller Großmutter meistert Anke Tegtmeyer die Gefahren allzu großer Sentimentalität.

Blass und gekünstelt wirkt dagegen leider Veronika Bachfischer als ausgehungerte und bildhübsche Putzfrau Camille, deren unfreiwilliger Einzug in die Kommune alle Entwicklungen auslöst. So liefert sie sich mit dem Macho-Koch Franck so lange verbale Schlachten, bis auch der ihre Einsicht kapiert: "Was die Leute davon abhält, zusammenzuleben, ist ihre Dummheit, nicht ihre Verschiedenheit".

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