Chris Rea im CCH

Zwischen Kuschel-Rock und Bottleneck-Blues

3000 Fans kamen ins Congress Center, um Klassikern wie "Josephine" und "On The Beach" des 60-jährigen Bluesstars zu lauschen.

Hamburg. „Pünktlich wie ’n Maurer“, kommentiert ein weißbärtiger Mann im CCH wohlwollend, als Chris Rea um Punkt 20 Uhr mit seiner fünfköpfigen Band die Bühne des CCH betritt. Während einige seiner Fans noch aus der Tiefgarage in den ausverkauften Saal hasten und von Platzanweisern zu ihren Plätzen gelotst werden, hat Rea das Auftaktkonzert seiner „Santo Spirito“-Tournee mit „Last Open Road“ begonnen. Der 60 Jahre alte Musiker galt schon immer als unprätentiös, mit seinem dunklen T-Shirt und der dunklen Hose hat er sich für diesen Abend nicht besonders stadtfein gemacht. Aber Äußerlichkeiten spielen an diesem Abend keine Rolle, es geht um Musik.

Chris Rea steht inzwischen für zwei völlig verschiedene Stile, die er aber unter einen Hut bringt, weil er sich auf ein langjähriges und treues Publikum verlassen kann. Da ist auf der einen Seite der Softrocker, der mit Songs wie „Josephine“, „Julia“ und „On The Beach“ auf so mancher Kuschelrock-CD vertreten ist. Damit feierte er seine größten Erfolge in den 80er-Jahren, das sind auch die Songs, für die er im CCH den größten Beifall bekommt. Doch seit zehn Jahren gibt es auch den ernsthaften Bluesmusiker Chris Rea. Der sich eingehört hat in die Songs der Afroamerikaner, der sein Bottleneckspiel zur Virtuosität gebracht hat. Wenn er sich statt des früher üblichen Flaschenhalses eine Metallröhrchen über den Ringfinger der linken Hand zieht und dann damit über das Griffbrett seiner Gitarre gleitet, entlockt er dem Instrument diesen quietschenden Klang, der im Englischen „slide“ genannt wird.

Den Blues hat der 1951 im englischen Middlesbrough geborene Musiker irisch-italienischer Abstammung für sich entdeckt, nachdem bei ihm im Jahr 2000 Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt wurde. Rea musste eine Reihe schwerer Operationen über sich ergehen lassen. Er erlebte am eigenen Leib, was „pain“, also Schmerz bedeutet. „Pain“ ist ein Schlüsselwort im Blues, und auch in Reas neueren Kompositionen wie „Where The Blues Come From“, „Easy Rider“ und „Stony Road“ taucht es immer wieder auf. Diese Songs entsprechen dem klassischen Blues-Schema, seit einem Jahrzehnt komponiert Rea nur noch Bluessongs. Aber auch diesen Nummern hören seine Fans aufmerksam zu, die Krankengeschichte des Idols schwingt immer mit.

Immer wieder gibt es Versuche der Fans mitzuklatschen und etwas mehr Leben in die Bude zu bekommen, doch erst nach einer Stunde explodiert die Band mit dem Boogie „Come So Far, Yet Still So Far To Go“ und zeigt, dass sie nicht nur Balladen und langsamen Blues beherrscht, sondern auch mächtig Gas geben kann. Als Rea dann im folgenden „Somewhere Between Highways 61 & 49“ zu einem furiosen Bottleneck-Solo ansetzt, wird der Beifall sogar frenetisch. Nach 90 Minuten verlassen die Musiker die Bühne, kommen noch mal zurück, um drei weitere Songs als Zugabe zu spielen. Um 21.55 Uhr ist Schluß, das Saallicht geht an. „Einen hätte er noch spielen können“, kommentiert der Mann mit dem weißen Bart. Aber eigentlich ist er zufrieden.