Lessingtage: Publikumsgipfel

Zahlen, so viel man will - Experiment geglückt

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Hamburg. Thalia-Intendant Joachim Lux und Geschäftsdirektor Ludwig von Otting wollten es wissen. Sie lockten nach dem Beispiel von Friseuren, Restaurants oder der "taz" mit einem Bonus, Motto: "Was ist Kultur uns wert?". Alle Besucher der "Nathan"-Vorstellung am Donnerstag zahlten für die Karten, was sie wollten. Beim anschließenden "Publikumsgipfel" diskutierten die Theaterleiter, Chefdramaturgin Beate Heine und Sommerfestivalleiter Matthias von Hartz mit den Zuschauern das - gute - Ergebnis.

Die meisten Besucher fanden das Experiment als Test für die Wertschätzung von Kunst interessant und waren auch deshalb gekommen. "Eine Superidee", sagte die Neurologin Dr. Margarita Müller-Jensen (49): "Es geht darum, das Bewusstsein für den Wert von Kunst und Kultur zu schärfen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis." Einige haben wie gewöhnlich bezahlt, andere viel weniger. Schauspielstudent Marius Moretti (20) legte auf seine Studentenkarte noch etwas drauf. 15 Schüler haben sehr viel mehr bezahlt als sie hätten müssen: 120 Euro statt 82,50 Euro. Insgesamt reicht die Preisspanne von 50 Cent bis 180 Euro. 701 Karten wurden verkauft für 10 001,79 Euro, was einem Durchschnittspreis von 14,27 Euro entspricht. Der Durchschnitt an einem regulären Theaterabend betrage 13,70 Euro, erklärt Ludwig von Otting. "Wir haben also mehr eingenommen als normalerweise. Denn es gibt sonst ja die Ermäßigungen für Abonnenten, Card-Besitzer, Schüler, Studenten und andere." Die größte Überraschung für ihn: "Dass es keine Überraschung gegeben hat ..."

Die von Catarina Felixmüller (NDR 90,3) und Abendblatt-Kulturchef Hans-Juergen Fink sachkundig moderierte Diskussion gab Einblick in die wirtschaftliche Situation eines subventionierten Stadttheaters, die Einnahmen, Kostenverteilung und Sparzwänge, die eine Erhöhung der Preise um fünf Prozent ab nächster Spielzeit verursachen. "Aber es bleibt möglich, zum Kinopreis zu uns zu kommen", betonte Lux. Erstaunlich war, wie viele und wie lange die Leute sich am "Publikumsgipfel" beteiligten. Der klare Beweis: Die Hamburger lieben ihr Theater - gerade weil sie er Kunst gegenüber kritisch bleiben.

( (-itz) )