NDR-Fernsehchef ist tot

"Jürgen Kellermeier war ein herausragender Mitarbeiter"

Kellermeier stürzte sich aus einem Fenster seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung. Es gilt als sicher, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Hamburg. Jürgen Kellermeier, von 1990 bis 2004 NDR-Fernsehdirektor, ist tot. In einer Pressemitteilung des Senders heißt es, er sei bereits am Sonnabend "im Alter von 70 Jahren plötzlich und unerwartet in Hamburg gestorben".

"Jürgen Kellermeier", sagt NDR-Intendant Lutz Marmor, "hat in seiner Amtszeit sowohl zum großen Erfolg des Ersten maßgeblich beigetragen als auch das NDR-Fernsehen in der Publikumsgunst bundesweit an die Spitze der Dritten Programme geführt." "Jürgen Kellermeier war ein herausragender Mitarbeiter", ergänzt Marmors Vorgänger Jobst Plog. "Ich bin zusätzlich tief betroffen, weil er ein Freund war."

Nach Informationen des Abendblatts stürzte sich Kellermeier am Sonnabendmorgen aus einem Fenster seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung in Winterhude. Es gilt als sicher, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzte. Einen Abschiedsbrief hinterließ er nicht. Wie das Abendblatt aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen erfuhr, soll der Grund für seinen Suizid im privaten Umfeld zu finden sein.

In seiner Amtszeit baute Kellermeier das Dritte Programm des NDR-Fernsehens um. Er gilt als Erfinder des Vorabendmagazins "DAS!". Auch als Hörfunkdirektor des Senders, ein Amt, das er von 1988 bis 1990 bekleidete, tat er sich durch Reformeifer hervor: Er schuf das Nachrichtenprogramm NDR 4, das heutige NDR Info.

Der promovierte Historiker begann seine Karriere als Journalist. Nach einem Volontariat und ersten Erfahrungen als Redakteur bei der Bielefelder "Freien Presse" ging er 1966 für den NDR als Hörfunkkorrespondent nach Bonn. 1974 gelang ihm dort sein größter Scoop: Er meldete als Erster den Rücktritt des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. 1976 wurde Kellermeier stellvertretender Chefredakteur und 1980 Chefredakteur des NDR-Hörfunks.

Auch nach seiner Pensionierung schrieb Kellermeier Kommentare für den Sender. Zudem beriet er den Moderator Reinhold Beckmann. Zuletzt geriet der einstige Fernsehdirektor im Zusammenhang mit der Affäre Doris Heinze in die Medien. Die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs ermittelt, begann in seiner Amtszeit damit, dem Sender Drehbücher zu verkaufen, die sie und ihr Mann unter Pseudonym geschrieben hatten. Kellermeier galt als Förderer Heinzes. Dem Abendblatt sagte er erst vor wenigen Wochen, er sei von ihr "getäuscht und enttäuscht" worden. Nach Angaben des NDR, der die Affäre durch seine Innenrevision aufarbeiten lässt, liegt gegen ihn nichts vor.