Premiere der Elbphilharmonie-Konzerte

Star-Dirigent Gustavo Dudamel begeistert Hamburg

Nach einem mäßigen Start steigerte sich Dudamel so stark, dass das begeisterte Publikum nach dem Konzert die Künstlergarderobe überrannte.

Hamburg. Bei der Premiere der neuen "Elbphilharmonie Konzerte" im Großen Saal der ausverkauften Laeiszhalle sollte der junge Star-Dirigent Gustavo Dudamel am Dienstag für einen sensationsgespickten Start in die Spielzeit sorgen. Doch in der ersten Hälfte seines Konzerts mit den Göteburger Symphonikern beschränkte Dudamel sich zunächst auf sehr ordentliche Wert-Arbeit. Beethovens Erste Symphonie ging er mit einer Überdosis Respekt an, blieb dabei stets nur im Rahmen des Nötigen und weit unter den Möglichkeiten, die dieses Stück bietet. Mahlers Rückert-Lieder mit der Altistin Anna Larsson lagen ihm deutlich besser, er gestaltete sie als lyrisch-dramatische Kurzporträts. Hier war er ebenbürtiger Interpret, hier hatte er die Musik von Anfang an auf seiner Seite.

Und wenn dieser junge Dirigent, der um sein Show-Talent weiß, etwas kann, dann ist es das Ausreizen schwungvoller Effekte. Deswegen war es auch nicht verwunderlich, dass der Südamerikaner mit der zweiten großen Sinfonie des Abends viel besser zurecht kam als mit dem klassischen Einstiegsstück: Die Vierte des Dänen Carl Nielsen, die "Unauslöschliche", hinterließ bei den vielen begeisterten Dudamel-Fans im Publikum wahrscheinlich einen ebensolchen Eindruck. Denn der impulsiv aufbrausende Tonfall und die wuchtig-schwungvolle Handschrift Nielsens entsprachen ganz und gar dem Temperament des Venezolaners. So spielte zusammen, was zusammenpasste: Ein skandinavisches Orchester, das diese Musik aus ihrer Perspektive verinnerlicht hat, und ein Energiebündel aus Venezuela, das jede Chance zum Auftrumpfen nutzte. Immenser Jubel und zwei Zugaben, die diesen Repertoire-Spagat geschickt fortsetzten: das Zwischenspiel aus der Kantate "Songen" des Schweden Wilhelm Stenhammar und als Gegenpol eine Orchesterfassung von "La Muerte del Angel" vom argentinischen Tango-Nuevo-Komponisten Astor Piazzolla.

Die Begeisterung über das Gehörte war so groß, dass Dudamels Künstlergarderobe nach dem Konzertende buchstäblich überrannt wurde; der Empfang in der Laeiszhalle musste deswegen ohne seinen Star-Gast stattfinden, der sich - so Generalintendant Christoph Lieben-Seutter - nicht mehr anders zu helfen wusste, als popstarmäßig die Flucht ins Hotel anzutreten.

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