Große Freiheit 36

Back in the days Public Enemys Reminiszenz an die 90er

Warum die Veranstalter die Große Freiheit 36 gleich doppelt verbuchten am Abend vor Nikolaus, mochte am Ende keiner so recht verstehen. Vielleicht war es die Angst, dass das New Yorker HipHop-Urgestein Public Enemy zum Auftakt ihrer Deutschlandtour gar nicht erst erscheinen würden. Oder die Sorge, dass viele angesichts der visuellen Eskapaden des Leadrappers Flavor Flav es vorzögen, zu hause zu bleiben. Kein verwerflicher Gedanke, ist es doch schwer vorzustellen, dass Menschen, die sich freiwillig einem Besuch im Motorraum des dänischen Hochseetankers Brigitte Nielsen aussetzen, noch in der Lage sind, Rap im eigentlichen Sinne zu präsentieren. Doch alle Zweifler sollten an diesem Abend Lügen gestraft werden. Die akademische Viertelstunde gönnten sich die Herren aus New York noch, um dann begleitet von Liveband und zwei 2Tänzern" ihrer S1-WS Sicherheitscrew die Bühne zu entern.

Was folgte waren gute zwei Stunden musikalische Zeitreise durch die Diskographie von Public Enemy. "911 is a joke", "Caught, can we get a witness", "Don’t believe the hype", "41:19". Der Ü28-Zuschauerbereich saugte dankbar jede Note seiner Jugend in den 90er auf. Auch wenn die Jacken nicht mehr ganz so lässig saßen, die Jeans enger geworden waren und sich die ersten "love handles" an den Hüften abzeichneten Publikum und Künstler hatten sich gefunden. Geschlagene 90 Minuten dauerte es, bis mit "New Whirl Odor" der erste aktuellere Track den Weg ins Set fand. Wie befriedigend es für eine Band ist, nur ihre größten Hits zu spielen, sei dahin gestellt. PE präsentierten sich professionell, bisweilen ekstatisch, und das Publikum dankte es ihnen, dass sie dabei sein durften… bei diesem musikalischen Ausflug in eine HipHop-Welt, die mal Subkultur war, bevor sie an ihrem eigenen Hunger zugrunde ging. Nicht auszudenken, was für eine Party es geworden wäre, hätte sie um 22 Uhr ihren Anfang statt das Ende erlebt!