Das Huelgas-Ensemble in der Laeiszhalle

Etwas brav und saftarm

Die Laeiszhalle ist eben doch keine Kirche – und für a cappella-Musik nur bedingt geeignet. Ihre schlackenlose Akustik bildet zwar die Stimmen sehr transparent ab, trägt aber wenig zum Verschmelzen bei und bietet den Sängern kaum Unterstützung.

Damit hatten die 13 Mitglieder des renommierten Huelgas Ensembles beim Konzert im Rahmen der NDR-Reihe "Das Alte Werk" spürbar zu kämpfen. Die ersten drei Stücke ihres Programms mit Renaissance-Werken von Orlando di Lasso klangen allzu vorsichtig; vor allem bei den solistisch besetzten Madrigalen wirkten die Piano-Stellen nicht leise und zart, sondern zaghaft und zaudernd. Erst Mitte der ersten Hälfte tauten die belgischen Alte-Musik-Spezialisten von ihrem Leiter Paul van Nevel putzmunter angetrieben allmählich auf und bescherten den Hörern einige berückende und auch manche farbige Momente. Davon hätte es allerdings gern noch mehr sein dürfen. Insbesondere bei den weltlichen Werken, die eigentlich auch den bodenständigen Humor des Komponisten zeigen, hier aber recht brav blieben und sich im Musiziergestus nur wenig von den geistlichen Stücken unterschieden. Mit seinem superschlanken, knabenhaft geflöteten Sopransound wirkt das Huelgas Ensemble generell etwas brav und saftarm; nur im Bass wird ab und an20mal richtig satt getönt. So ein kultiviert gesäuselter Klang ist natürlich schön und und ungemein durchsichtig, aber auf Dauer blieb das Ganze doch etwas monochrom und schien auch nicht ganz bis zu Ende geprobt: Bei vielen Einsätzen fehlte das letzte rhythmische Feintunig.

Ihr gewohntes Spitzenniveau erreichte die Formation diesmal also nicht wirklich ein lohnendes Konzert war es trotzdem, alleine schon durch die Werke des großen Orlando di Lasso, dem Paul van Nevel dann auch den ausgiebigen Schlussapplaus widmete: Seine Noten waren der Star des Abends.

( Stä )