Inszenierung

Medea-Mythos mit farbenreicher Klangpalette

Dort, wo sonst die Bühne ist, stehen Drehstühle für die Zuschauer, umrahmt von durchscheinenden Wänden aus Stoff. In der Mitte eine Art Laufsteg.

Hamburg. Dort, wo sonst die Bühne ist, stehen Drehstühle für die Zuschauer, umrahmt von durchscheinenden Wänden aus Stoff. In der Mitte eine Art Laufsteg. Und rechts, hinter der Schleierwand, die Instrumentalisten. Sonst nichts.

Für seine Inszenierung von Leopold Hurts Musiktheaterstück "Medea", das im Hochschulforum seine Uraufführung erlebte, hat Regisseur Dominik Neuner eine karge, aber buchstäblich mehrschichtige Raumkonzeption gewählt. Sie entspricht der Komplexität des Themas. Denn Komponist Hurt meidet eine lineare Erzählstruktur und nähert sich dem Mythos eher durch einen gedanklichen Diskurs als durch konkrete Geschichten.

Im Zentrum steht Medea selbst: Eine selbstbewusste Frau, die über magische Heilkräfte verfügt, tödliche Verbrechen der Herrschenden aufdeckt, und zur politischen Gefahr wird. Die Inszenierung vertraut auf die sprachmächtige Wirkung der Schauspieler - herausragend: Ariella Hirshfeld als Medea -, um die Zuschauer kurz vor Schluss mit einem starken Bildwechsel zu überwältigen. Als Kontrast zur strengen Schwarz-Weiß-Optik setzt Hurt auf eine farbenreiche Klangpalette, die das Instrumentarium durch Hackbrett und australische Schwirrhölzer erweitert. So entsteht eine eindringliche Aufführung, deren Bedeutungsschichten sich jedoch nicht immer zu einem dramaturgischen Bogen fügen.


Weitere Vorstellungen: 17., 18., 19. Oktober