"Paradise Now"

Sprengstoff in der Hamburger Botschaft

Hamburg. Es war nicht der Andrang, sondern die Abwehr, die zur Premiere des Junge-Schauspielhaus-Gastspiels für eine kleine Menschentraube vor der Hamburger Botschaft im Schanzenviertel sorgte. Demonstranten warnten vor antisemitischer Propaganda, die das Stück "Paradise Now" nach Hany Abu-Assads Film transportiere. Dass die Geschichte zweier Selbstmordattentäter Verständnis für deren mörderische Mission wecke, ist jedoch ein absurder Vorwurf.

Die Palästinenser Said (Renato Schuch) und Khaled (Johannes Nehlsen) sind arme Toren, die in den Tag hinein leben. Sie wissen wenig, eines aber gewiss: dass für ihre Misere der Feind hinter dem Sicherheitszaun verantwortlich sei. Deshalb gibt es auch kein Zögern, als Führungsoffizier Jamal (Hermann Book) die Schläfer fragt: "Seid ihr bereit?" Doch bevor Said mit Sprengstoffgürtel nach Tel Aviv aufbricht, gerät er in einen Gewissenskonflikt: Er hat sich in die politisch aufgeklärte Suha (Laura de Weck) verliebt und fragt sich, ob es sinnvoll ist, als Sohn eines von den eigenen Leuten hingerichteten Kollaborateurs durch ein Selbstmordattentat die Familienehre wiederherzustellen.

Die vielen Lautsprecher im kargen Raum signalisieren, dass in dieser Welt fast jede Äußerung Agitation ist. Konradin Kunze betont in seiner Inszenierung die Gleichgültigkeit der Drahtzieher gegenüber denen, die sie mit hohlem Pathos zur Selbstaufopferung auffordern. Der Einzelne gilt nichts, das Ziel alles. Das intensive Spiel macht spürbar, dass aus dem Willen zur Zerstörung kein Leben entstehen kann. Ein deprimierender Teufelskreis.


23./24.6., 19.30 Uhr, Tel. 24 87 13