Korrektur: Nach Treffen mit dem Gründer

Tamm-Museum: Rolf Becker nimmt Kritik zurück

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Der Schauspieler gehörte zu den Gegnern der neuen Institution. Jetzt hat er sie sich angesehen: "Weltweit bedeutend."

Der Schauspieler Rolf Becker ist prominentestes Mitglied der Künstlerinitiative "Tamm Tamm", die sich gegen das geplante Internationale Maritime Museum Hamburg und dessen angeblich militaristische Ausrichtung engagiert. Becker, der u. a. mehrere Jahre die Titelrolle im "Hamburger Jedermann" spielte, gehörte zu den "Künstlerpaten", die alle Bürgerschaftsabgeordneten über das Tamm-Museum informieren sollten, war aber selbst nur unvollständig im Bilde. Nachdem er das Museum, das am 25. Juni eröffnet wird, kürzlich besucht hat und bei dieser Gelegenheit auch mit Gründer Peter Tamm sprechen konnte, revidierte er seine Meinung. Im Abendblatt spricht er jetzt erstmals darüber.


Hamburger Abendblatt:

In Ihrem biografischen Wikipedia-Eintrag steht unter "Politisches Engagement" auch der Satz: "Der Schauspieler engagiert sich gegen das umstrittene Internationale Maritime Museum Hamburg im Kaispeicher B". Wie kam es dazu?

Rolf Becker:

Der Satz sollte jetzt korrigiert werden. Es ging gegen Militaria, also habe ich gesagt, ich teile den Protest. Wenn ich in einer Initiative, bei einer Demonstration oder wegen sozialer Konflikte im Stadtteil auftrete, informiere ich mich erst und nehme dann Stellung. In diesem Fall schien mir die Sache klar. Inzwischen habe ich mir ein genaueres Bild verschafft.



Abendblatt:

Wie kam das zustande?

Becker:

Einmal aufgrund von Fragen, die sich mir gestellt haben. Hinzu kam eine Zufallsbegegnung mit Frau Nikolov, der Geschäftsführerin der Tamm-Stiftung, die mich eingeladen hat, mir das im Bau befindliche Museum anzusehen. Ich war vor einigen Wochen dort und habe auch mit Peter Tamm gesprochen.



Abendblatt:

Wie verlief dieses Gespräch?

Becker:

Ich habe ihm meine Vorbehalte gegenüber allem Militärischen genannt. Meine Kindheit ist durch die Schrecken der Nazizeit und des Zweiten Weltkriegs geprägt. Entsprechend habe ich mich in der Folge mit den Ursachen und dem Verlauf des Kriegs auseinandergesetzt. Peter Tamm und ich waren und sind sicher in vielen Fragen unterschiedlicher Auffassung, aber wir konnten offen darüber sprechen. Wichtig war auch, dass Tamm mich durch die Sammlung, so weit sie schon eingerichtet war, geführt hat. Ich hatte sie mir in der Elbchaussee nicht angesehen.



Abendblatt:

Wie war Ihr Eindruck?

Becker:

Obwohl ich noch nicht alles sehen konnte, denke ich, dass das Museum zu den weltweit bedeutendsten seiner Art gehört.



Abendblatt:

Wie sehen Sie die Vorwürfe gegen das Projekt heute?

Becker:

Ich habe Punkt für Punkt nachgefragt. Was ist mit den 30 Millionen Euro, die Sie von der Stadt bekommen haben? Dafür brauchte ich mir aber eigentlich nur das Gebäude anzusehen. Wenn man den restaurierten Kaispeicher B betrachtet, fragt man sich, wie das mit den 30 Millionen überhaupt finanzierbar war. Er musste ohnehin saniert werden. Wenn die Hansestadt das gemacht hätte, wäre es vermutlich teurer geworden. Damit entfällt der Vorwurf, die Stadt hätte für das Geld nichts bekommen.



Abendblatt:

Es gab aber noch andere Vorwürfe.

Becker:

Ja, beispielsweise die Annahme, Tamm habe nur dank seiner Beziehungen in Hamburg die Gelder und den Kaispeicher erhalten. Es hat aber auch aus anderen Städten wie Rostock, Kiel und London Angebote für sein Museumsprojekt gegeben. Die Initiative, es für Hamburg zu sichern, ging von dem damaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau aus.



Abendblatt:

Wie steht es mit dem Vorwurf, das Museum sei militaristisch ausgerichtet?

Becker:

Ich vermute, dass die kritische Auseinandersetzung mit Peter Tamm seitens unserer Initiative positive Folgen hatte. Es geht um die Art der Präsentation und darum, wie die Besucher an die Ausstellungsstücke herangeführt werden. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, habe ich nicht den Eindruck, dass die Militärgeschichte überproportionalen Anteil haben wird. Man kann die Militaria nicht von der Handelsschifffahrt trennen. Ich gehe davon aus, dass die bisherige Kritik berücksichtigt und besonderes Augenmerk auf eine ausgewogene Darstellung gelegt wird.



Abendblatt:

Halten Sie die Auseinandersetzung, wie sie gelaufen ist, für fair?

Becker:

Mir geht es um die Sache, nicht um die Person. Dass man die Kritik an der Person Peter Tamm festgemacht hat, habe ich von Anfang an für falsch gehalten.



Abendblatt:

Es gibt auch im Vorfeld der Eröffnung des Museums weiterhin Kritik. Was halten Sie davon?

Becker:

Wir müssen unsere Kritik präzisieren. Die Tatsache, dass zu der Sammlung auch der Marschallstab von Karl Dönitz gehört, macht zwar betroffen. Wichtig aber ist, wie das Museum dazu Stellung nimmt.



Interview: Matthias Gretzschel